Ray Bourque

Raymond Jean Bourque wird am 28. Dezember 1960 in Montreal, in dem französischsprachigen Teil Kanadas, im Bundesstaat Quebec, geboren. Wie fast jeder Junge in Kanada, beginnt auch Ray Bourque schon in frühester Kindheit mit den ersten Versuchen auf Schlittschuhen. Zusammen mit seinen Freunden spielt er auf zugefrorenen Seen Eishockey. Seine Jugend verbringt er in der Juniorenliga von Quebec, die für ihre hervorragende Nachwuchsarbeit bekannt ist. Hier wird er ausgebildet und bekommt den letzten Schliff. Er ist einer der herausragendsten Spieler in der Juniorenliga und entwickelt sich immer mehr zu einem Topverteidiger.

Foto: Ray Bourque-Aquarell1979 wird er von den Boston Bruins als 8. in der ersten Runde des Entry Draft gezogen. In seiner ersten Saison 1980 macht er für die Bruins in 80 Spielen bereits 17 Tore und 65 Punkte. Dabei kommt er bereits auf eine unglaubliche plus/minus Bilanz von +52. In den Play Offs macht er in 10 Spielen dann 2 Tore und 11 Punkte. Er erhält als bester Rookie die Calder Trophy. Schnell entwickelt er sich auch in der NHL zu einem Topverteidiger. 1981 macht er schon in 67  Spielen gute 27 Tore und 56 Punkte. Dabei kommt er auf 96 Strafminuten, die er nie mehr überbietet. In den Play Offs macht er nur 3 Spiele und kommt auf einen Punkt. 1982 kommt er bereits auf 17 Tore und 66 Punkte in 65 Spielen. In den Play Offs macht er in 9 Spielen nur 1 Tor aber 6 Punkte. 1983 kommt er sogar auf 22 Tore und 73 Punkte in 65 Spielen. Dabei erreicht er eine plus/minus Bilanz von +49. In den Play Offs kommen die Bruins diesmal bis ins Conference Finale. Bourque macht 8 Tore und 23 Punkte in 17 Spielen. Trotzdem scheitern die Bruins. Seine beste Saison hat er 1984, als er in 78 Spielen hervorragende 31 Tore und 96 Punkte erzielt. Er kommt auf eine plus/minus Bilanz von +51. Die Play Offs laufen nicht so gut. Hier kommt er in 3 Spielen auf 2 Punkte. Dafür gewinnt er mit dem Team Canada den Canada Cup. 1985 wird er bereits zum Kapitän der Boston Bruins ernannt. Er kommt in 73 Spielen auf 20 Tore und 86 Punkte. In den Play Offs scheiden die Bruins wieder in der ersten Runde aus und Bourque kommt in 5 Spielen auf 3 Punkte. Ray Bourque ist der geborene Führungsspieler. Er kann seine Mitspieler motivieren und mitreißen. Aber er kann seine Kameraden auch bestens in Szene setzen. Er spielt einen tödlichen Pass und hat eine hervorragende Spielübersicht. Aber auch Tore erzielen kann er wie kaum ein anderer Verteidiger. Seine Offensivqualitäten machen ihn besonders wertvoll für sein Team. 1986 erzielt er 19 Tore und 77 Punkte in 74 Spielen. In den Play Offs scheitern die Bruins erneut in der ersten Runde und Bourque bleibt in 3 Spielen ohne Punkt. 1987 erzielt er in 78 Spielen wieder herausragende 23 Tore und 95 Punkte. In den Play Offs macht er 1 Tor und 3 Punkte in 4 Spielen. Die Bruins scheiden aber wieder in der ersten Runde aus. In diesem Jahr wird er zum ersten mal mit der Norris Trophy als bester Verteidiger ausgezeichnet. Außerdem gewinnt er mit Kanada erneut den Canada Cup. 1988 kommt er in 78 Spielen auf 17 Tore und 81 Punkte. Diesmal kommen die Bruins bis ins Finale. Bourque erzielt in 23 Spielen zwar nur 3 Tore aber er kommt auf 21 Punkte. Trotzdem unterliegen die Bruins den Edmonton Oilers mit Gretzky, Messier, Kurri und Coffey. Wieder wird er mit der Norris Trophy ausgezeichnt. 1989 macht er 18 Tore und 61 Punkte in 60 Spielen. In den Play Offs kommt er auf 4 Punkte in 10 Spielen. Foto: Ray Bourque-Boston1990 kommt er in 76 Spielen auf 19 Tore und 84 Punkte. In den Play Offs scheitern die Bruins erneut im Finale an den Edmonton Oilers. Bourque erzielt in 17 Spielen diesmal 5 Tore und 17 Punkte. Er wird zum dritten mal mit der Norris Trophy ausgezeichnet. Im Jahr 1991 schafft er in 76 Spielen starke 21 Tore und 94 Punkte. In den Play Offs kommen die Bruins bis ins Conference Finale. Bourque macht in 19 Spielen unglaubliche 7 Tore und 25 Punkte. Er erhält zum viertenmal die Norris Trophy und zum dritten mal gewinnt er den Canada Cup. 1992 erzielt er 21 Tore und 81 Punkte in 80 Spielen. In den Play Offs macht er in 12 Spielen gute 3 Tore und 9 Punkte. 1993 macht er 19 Tore und 82 Punkte in 78 Spielen. In den Play Offs erzielt er 1 Tor in 4 Spielen. 1994 kommt er in 72 Spielen auf 20 Tore und 91 Punkte. Damit erreicht er zum viertenmal die 90-Punkte Marke. In den Play Offs kommt er auf 2 Tore und 10 Punkte in 13 Spielen. Er wird zum fünftenmal mit der Norris Trophy ausgezeichnet. Nur wenige Spieler in der NHL haben einen solch starken Schuss wie Ray Bourque. Das macht ihn so torgefährlich. In der verkürzten Saison 1995 kommt er auf 12 Tore und 43 Punkte in 46 Spielen. In den Play Offs kommt das Aus für die Bruins bereits in der ersten Runde. Bourque erzielt 3 Punkte in 5 Spielen. 1996 erzielt er in 82 Spielen hervoragende 20 Tore und 82 Punkte. In den Play Offs scheiden die Bruins erneut in der ersten Runde aus. Er kommt in 5 Spielen aber auf 1 Tor und 7 Punkte. 1997 kommt er zwar noch auf 19 Tore, aber nur auf 50 Punkte in 62 Spielen. Seine Produktivität läßt nun nach. Bislang erzielte er als Verteidiger  14 mal mindestens soviele Punkte wie er auch Spiele machte. Die Bruins verpassen seit 30 Jahren zum erstenmal die Play Offs. 1998 erreicht er in 82 Spielen nur noch 13 Tore und 48 Punkte. In den Play Offs kommt er auf 1 Tor und 5 Punkte in 6 Spielen. 1999 macht er noch 10 Tore und 57 Punkte in 81 Spielen. In den Play Offs macht er nur 1 Tor, aber 10 Punkte in 12 Spielen.

Nicht nur seine überragenden Offensivqualitäten zeichnen Ray Bourque aus. Auch im Defensivbereich ist er einer der größten. Auf nur 1,80 m verteilt er 99 Kg. Damit ist er ein äußerst robuster und kräftiger Verteidiger. Er ist ein starker Checker, dabei aber auch ein sehr guter Schlittschuhläufer und ein noch besserer Techniker. Er verfügt über eine ausgezeichnete Spielauffassung und über ein sehr starkes Stellungspiel. Seine +/- Bilanz ist mit über 500 eine der besten der NHL-Geschichte.

Foto: Ray Bourque-ColoradoIn der Saison 2000 überschreitet Ray Bourque als erster Verteidiger überhaupt die 400 Tore Marke. Zwar hat seine Offensivkraft nachgelassen, aber immer noch ist er einer der besten Verteidiger der NHL, offensiv wie defensiv. Seit 1985 hat er das Kapitänsamt bei den Boston Bruins bekleidet. Seit 1979 hat er nur für diesen einen Verein gespielt. Bis zum Jahr 2000. In diesem Jahr wird Ray Bourque, zum Schrecken vieler Fans, nach Colorado getauscht. Aber das ganze hat natürlich einen persönlichen Hintergrund. Ray Bourque konnte während seiner langen Karriere bei den Boston Bruins leider nie den Stanley Cup gewinnen. Schon längst gilt er als "Bester Spieler aller Zeiten, der nie den Stanley Cup gewonnen hat". Und seine Laufbahn neigt sich nach über 21 Jahren langsam dem Ende zu. Deshalb erklären sich die Verantwortlichen in Boston dazu bereit, Ray Bourque an einen Verein abzugeben, der große Chancen auf den Titel hat. Das Interesse an Bourque ist groß. Detroit, Philadelphia, Dallas und Colorado sind die Kandidaten, die in Frage kommen für den Oldie. Den Zuschlag bekommen letztendlich die Colorado Avalanche. Mit Ray Bourque kommt noch Dave Andreychuk nach Denver. Im Austausch dafür geht Brian Rolston nach Boston, zudem erhalten die Bruins Draftrechte bei den nächsten Entrydrafts 2000 und 2001. Der Schock in Boston ist tief. Vor allem bei den Fans hinterlässt Ray Bourque ein großes Loch.

Bei der Ankunft von Mr. Boston am Flughafen in Denver wartet bereits eine große Menschenmenge auf ihn. Die Fans, die Medien und auch die Spieler in Denver sind begeistert. Joe Sakic, Kapitän der Colorado Avalanche, bietet dem Verteidiger sofort das Kapitänsamt an, aber Bourque lehnt ab. Adam Deadmarsh, dessen Marotte es ist, immer als zweiter hinter dem Goalie aufs Eis zu gehen, verzichtet auf diese Eigenart, als er hört, dass Bourque das selbe tut. Der "neue Alte" wird sofort von allen Mitspielern als Vorbild anerkannt. Vom ersten Spiel an steigt Bourques Leistungskurve und die Avalanche gewinnt mit ihm 18 von 23 Spielen am Ende der Saison. Ray Bourque beendet die Saison 2000 mit18 Toren und 52 Punkten in 79 Spielen. Noch während der laufenden Play Offs Foto: Ray Bourque mit dem Stanley Cupbeschließt Bourque eine weitere Saison in Denver zu spielen, da es ihm im Team der Avalanche ausgezeichnet gefällt. Zwar ist er nicht mehr so stark in der Offensive, aber er ist enorm wichtig in der Defensive. Die Avalanche scheitert im Conference Finale an den Dallas Stars. Bourque macht in 13 Spielen aber 1 Tor und 9 Punkte. 2001 macht er in 80 Spielen noch 7 Tore und 59 Punkte. Zum Ende der Saison holen die Avs Rob Blake aus Los Angeles. Ray Bourque läßt eigens Kappen mit dem Aufdruck: "Misson 16 W", was für 16 Wins, also 16 Siege steht, herstellen. Denn 16 Siege braucht man in den Play Offs, um den Stanley Cup zu gewinnen. In den Play Offs kommt die Avalanche bis ins Finale. Und In 7 Spielen schlagen die Avalanche den Stanley Cup Champion New Jersey Devils. Ray Bourque erhält den Stanley Cup aus den Händen von Kapitän Joe Sakic und es ist ein Moment für die Ewigkeit, als er nach 22 Jahren endlich den Stanley Cup hochstemmt. Zwar machte er in 21 Spielen nur 4 Tore und 10 Punkte, aber das zählt jetzt nicht mehr. Alles was zählt, ist der Traum der endlich in Erfüllung ging. Er war mit seiner Erfahrung und seinem unglaublichen Einsatz, einer der Eckpfeiler für den Triumpf der Avalanche. Mit dem größten Erfolg seiner Karriere beendet er diese auch. Mit ihm verliert der Sport ein großes Idol und einen der größten Sportler überhaupt.

Ray Bouque wurde in seiner Karriere 5 mal als bester Verteidiger mit der Norris Trophy ausgezeichnet und 19 mal ins All Star Team berufen. Zudem ist er der beste Scorer in der Vereinsgeschichte der Boston Bruins, hält den NHL Rekord mit den meisten Toren eines Verteidigers und ist auf Rang 9 in der NHL All Time Scoring List. Privat ist er ein sehr ruhiger und symphatischer Mensch. Er lebt mit seiner Frau Christiane und seinen Kindern Melissa, Christopher und Ryan in Boxford, einem Vorort von Boston. Er ist ein ausgezeichneter Hobbygolfer. Er setzt sich zudem sehr für karitative Einrichtungen zugunsten von Kindern ein.

Foto: Ray Bourque bei der Siegesparade in Denver

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