
- Dezember 1999 - Der Bodycheck gehört im Eishockey zum Sport wie der Puck
und der Stock oder das Eis. Im Laufe der Jahre ist aus dem Check ein Kult entstanden
der weitreichende Konsequenzen haben kann. Nicht nur die Zuschauer wollen knallharte
Checks auf dem Eis sehen. Jede Mannschaft besitzt eine Zerstörerreihe.
Diese vierte Reihe hat eine Hauptaufgabe: Die Sturmreihen des Gegners auseinandernehmen.
Die Topstars haben ihrerseits Beschützer, die ihnen die harten Angreifer
vom Leib halten sollen. Marty McSorley war jahrelang der Leibwächter
von Wayne Gretzky und begleitete diesen in fast allen Teams. Mit teilweise
brachialer Gewalt wird absichtlich auf den Körper gespielt, und unfaire
Attacken wie Ellbogenchecks, Crosschecks und Stockschläge nehmen zu. Vor
allem der Angriff an der Bande in den Rücken des Gegners ist äußerst
gefährlich. Wenn ein über 100 kg schwerer Angreifer aus vollem
Lauf in den Rücken eines Spielers kracht und diesen in die Bande schmettert,
dann geht das Licht aus. Der Kopf des Opfers schlägt mit voller Wucht gegen
die Bande, der Helm ist nur ein unzureichender Schutz. Häufigste Folge
eines solchen Angriffs, neben Bein- und
Armbrüchen, Rippenbrüchen
und Schulterbrüchen, sind vor allem schwere Gehirnerschütterungen.
Die daraus resultierenden Folgen: starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, aber
auch Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsstörungen. Die prominentesten
Opfer in der letzten Saison waren Paul
Kariya, der darauf die komplette Saison ausfiel und die olympischen Spiele
verpaßte, und Eric Lindros, der sich einen schweren Lungenriss
zuzog und daran fast gestorben wäre. Lindros kleiner Bruder Brett mußte
schon im Alter von 20 Jahren seine Schlittschuhe an den Nagel hängen. Er
hatte sich bei einem überhartem Angriff eine schwere Kopfverletzung zugezogen.
Auf Anraten seiner Ärzte beendete er darauf seine vielversprechende Laufbahn.
Ähnlich erging es Pat LaFontaine. Der fairste Spieler der NHL wurde
immer wieder das Opfer unfairer Attacken. Am 17. Oktober 1996 erlitt er seine
fünfte schwere Gehirnerschütterung, die letzte lag erst wenige
Monate zurück, nach einem überhartem Ellbogencheck. Kurz nach dem
Wechsel zu den NY Rangers erlitt er erneut eine schwere Gehirnerschütterung.
Dies war die letzte in seiner aktiven Laufbahn. Er beendete seine großartige
Karriere und die NHL verlor einen herausragenden Spieler. Weitere Opfer waren:
Mike Eaves (Calgary ´85), Warren Babe (Minnesota ´91)
und Michel Goulet (Chigago´94). Mario Lemieux beendete seine
Karriere vorzeitig, weil ihm Eishockey wegen dieser Entwicklung keinen Spaß
mehr bereitete. Und auch bei Wayne Gretzky war dies mit ein Grund, warum
er seine Karriere der Gesundheit zuliebe leider viel zu früh beendete.