Faktor Heimvorteil...wirklich ein Vorteil?

Die Saison in der NHL ist lang. Ganze 82 Spiele müssen die Teams im Laufe von sechs Monaten absolvieren. Und genau genommen haben die Saisonspiele nur zwei Ziele, die Qualifikation für die Play Offs und den Heimvorteil im entscheidenden siebten Spiel zu bestimmen, denn das besser platzierte Team hat bekanntlich im letzten Spiel der Serie Heimrecht. Doch ist das Heimrecht tatsächlich ein Vorteil? Auf den ersten Blick mag es so aussehen. Doch die Statistiken sagen etwas anderes. Seit Jahren ist die Quote für den Heimvorteil in den Play Offs rückläufig. Der Heimvorteil verliert mehr und mehr an Bedeutung. Immer öfter gewinnt die Auswärtsmannschaft ein oder mehrere Spiele, oder sogar eine ganze Serie. Die Siegeschancen für beide Teams in einer Play Off Serie sind mittlerweile nahezu gleich. In den Play Offs 2001 gewannen die Mannschaften mit dem Heimrecht gerade mal 56 von 102 Heimspielen. Das sind nur 54,9 % aller Heimspiele. In den 60er Jahren lag die Siegesquote der Heimmannschaften noch bei über 66 %, also zwei Dritteln (154 Heimsiege von 231 Heimspielen). Ein weiter Beleg für die rückläufige Quote sind die aktuellen Play Offs. Detroit und Chicago waren die beiden besten Teams auf eigenem Eis in der regulären Saison. Detroit verlor aber gleich beide Heimspiele, konnte die Serie jedoch noch drehen. Chicago gewann zunächst das erste Auswärtsspiel, verlor dann das Zweite und vergab die Serie auf eigenem Eis mit zwei Heimniederlagen. Auch Boston war zu Hause sehr stark im Verlauf der Saison. Sie unterlagen als punktbestes Team der Eastern Conference den achtplatzierten aus Montreal in sechs Spielen. Dabei verloren die Bruins zwei von drei Heimspielen. Woran liegt das aber?

Heimsiege in Prozent

Ein Grund ist wohl der Identitätsverlust der Eishallen. Die heutigen modernen Eishallen sehen innen alle gleich aus. Ohne die entsprechenden Banner unter dem Hallendach kann man die jeweiligen Hallen kaum unterscheiden. Die alten Traditionshallen wie die Joe Louis Arena, der Madison Square Garden, das Molson Centre und der Maple Leaf Garden boten dem Zuschauer und Fan ein ganz besonders Flair. Die Atmosphäre in diesen Hallen ist etwas ganz besonders und individuell. Die Fans wie die Spieler identifizierten sich mit den Hallen und machten daraus ein Heiligtum. Der Maple Leaf Garden steht heute kurz vor dem Abriss. Viele andere Traditionshallen sind bereits dem Geist der Zeit gewichen. Die letzten übriggebliebenen Hallen aus den alten Zeiten werden ebenfalls bald verschwinden. Die Bedingungen in den alten Traditionshallen waren für Heim-und Gastmannschaft nie gleich, erst recht nicht in den Play Offs. Mit allen Mitteln wurde versucht, dem Gegner und Gast das Spiel so schwer wie möglich zu machen. Wie? Pechschwarze Wände und nur spärliche Beleuchtung in der Umkleidekabine der Gastmannschaft waren sehr beliebt. Das wirkte sich negativ auf die Psyche der Gastspieler aus. Auch wechselnden Temperaturen durch die Klimaanlage auf der Spielerbank waren die Gäste ausgesetzt. Entweder war es zu kalt oder zu warm. In der Umkleidekabine der Gäste wurde auch gerne die Heizung permanent auf die höchste Stufe gestelt, sodass die Spieler schläfrig wurden und schon völlig verschwitzt aus der kabine kamen. Dies alles trug dazu bei, den Gegner psychisch zu entmutigen und zu beeinflusen. Heute sind solche Dinge undenkbar. Alles wird streng von der NHL beaufsichtigt und geregelt. Hinzu kommt die heutige wesentlich defensivere Spielweise. Viele Spiele enden in den Play Offs mit einem Tor Unterschied, oft fällt gar nur ein Tor. Vor allem im Anfangsdrittel fällt oft gar kein Tor, weil keines der beiden Teams in Rückstand geraten will. Denn ein einziger Treffer kann bereits das Spiel entscheiden. Ist die Heimmannschaft erstmal mit einem Tor in Rückstand geraten, werden die Spieler mit fortlaufender Zeit immer nervöser. Zudem werden die Fans ungeduldig und setzen ihr Team zusätzlich unter Druck. Somit wird aus dem Heimvorteil schnell ein Nachteil...

 

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