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Analysen

NHL Teams am Abgrund

- Juli 2002 - Dass die NHL Teams in Kanada einen schweren Stand haben, ist seit Jahren bekannt. Zum einen sind da die stetig steigenden Spielergehälter. Dazu kommen Wirtschaftskrise und schlechter kanadischer Dollarkurs. Die Einnahemen der Clubs werden in kanadischen Dollar gerechnet, die Spielergehälter aber in US Dollar gezahlt. Die Unterstützung von staatlicher Seite ist ebenfalls unzureichend. Die steuerlichen Nachteile setzen den NHL Teams in Kanada ebenfals sehr zu. 24 US Teams zusammen bezahlen fast so viel Steuern wie insgesamt die sechs Teams in Kanada. Bei einer parlamentarischen Abstimmung, ob eine steuerliche Vergünstigung für die sechs NHL Teams erlassen werden soll, wurde negativ gestimmt. Den Ottawa Senators, Edmonton Oilers und Calgary Flames droht schon länger ein Umzug. Den Vancouver Canucks geht es finanziell ebenfalls nicht gut. Die Montreal Canadiens konnten sich zwar durch den Vertrag mit einem neuen Sponsor wieder etwas aus dem Sumpf ziehen, aber damit ist noch längst nicht alles vom Tisch. Erschreckend ist nun, dass mittlerweile auch die Toronto Maple Leafs nicht mehr zu den stabilsten Teams der NHL zählen. Viele Neuverpflichtungen und hohe Gehälter haben auch den kanadischen Vorzeige - Club finanziell in die Enge getrieben, zumal der sportliche Erfolg bisher ausblieb. Oilers' Präsident Cal Nichols sagte bereits, wenn nach Ablauf des Rahmenvertrags zwischen NHL und NHLPA 2004 nichts passiert, was die finanzielle Lage drastisch verbessert, würden die Oilers, Flames und Senators aus der NHL wohl verschwinden. Noch dramatischer wird es allerdings dadurch, dass nach seiner Aussage auch sechs Teams aus den USA wohl nicht weiter existieren könnten. Die Pittsburgh Penguins standen bereits vor noch nicht all zu langer Zeit zum Verkauf. Die Florida Panthers und Tampa Bay Lightning leiden schon länger an ausbleibendem Erfolg und rückläufigen Zuschauerzahlen. Die Carolina Hurricanes sind, trotz Stanley Cup Finale, ebenfalls nicht stabil. Lange musste man hier kämpfen, um die Aktzeptanz seitens der Zuschauer.

Gary BettmanAktuell sind die Buffalo Sabres das größte Sorgenkind der Liga. Finanzielle Probleme des Beitzers John Rigas alarmierten die Ligaleitung und schnell wurde gehandelt. Die Sabres werden derzeit von der NHL kontrolliert. Vor wenigen Tagen wurde John Rigas dann in NewYork wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verhaftet und in Handschellen abgeführt. Auch das ist nicht gerade imagefördern für die NHL. Rigas is Beitzer der Adelphia Cable Communications und veruntreute Gelder in Höhe von 2,3 Milliarden $. Insgesamt verloren seinetwegen Investoren landesweit rund 60 Milliarden $. Rigas steckte unter anderem Millionen von Dollar aus seiner Firma in sein Team. Damit ist die Adelphia Cable Communications der Hauptschuldner der Sabres. Es gibt zwar einige Investoren und Interessenten für die Franchise der Sabres, doch nicht alle sind gewillt dasTeam in Buffalo zu lassen. Die Stadt und auch die NHL wollen alles versuchen, um die Sabres in Buffalo zu halten. Doch das ist nicht leicht. Die Stadt selbst ist hoch verschuldet und befindet sich in einer Krise. Die neue Halle der Sabres ist offensichtlich zu groß und nicht ausgelastet, die Fan Basis schrumpft. Die Zukunft der Sabres sieht also eher düster aus. In sportlicher Hinsicht läuft es derzeit ebenfalls nicht gut. Mit Hasek und Gilmour verlor man wichtige Persönlichkeiten. Die Play Offs wurden verpasst und in naher Zukunft sieht es nicht danach aus, als könnten die Sabres die Play Offs erreichen. NHL Präsident Gary Bettman war gerade in Buffalo um sich einen Überblick der Lage zu verschaffen. Dabei stellte er zwar erneut fest, das willige Investoren interessiert seien, aber bis dasTeam der Sabres sicher sein kann, dass es auch in der komenden Saison in Buffalo spielen wird, muss noch einiges geschehen.

Wie es in Pittsburgh aussieht, darüber macht man sich ebenfalls Gedanken. Die finanziellen Probleme sind auch hier der Hauptgrund für die Sorgenfalten. Mit Martin Straka fällt erneut bereits zu Saisonbeginn ein wichtiger Spieler aus. Mario Lemieux ist körperlich zwar derzeit fit, aber er wird wohl kaum die komplette Saison spielen können. Bliebe also nur noch Alexei Kovalev. Der könnte allerdings, angesichts der Geldprobleme, bereits zur Deadline Teil eines Trade werden. Und was passiert, wenn Mario Lemieux demnächst seine Schlittschuhe endgültig an den Nagel hängt? Die Penguins stehen und fallen mit ihrem angeschlagenen Superstar. Auch die Florida Panthers und die Tampa Bay Lightning sind, aufgrund ausbleibenden sportlichen Erfolgs, finanziell angeschlagen. Beide Teams haben keine Stars und Führungspersönlichkeiten. Somit fehlen auch Identifikationspersonen für die Fans. Wenn man also alles zusammen zählt, sind mindestens ein Drittel aller Teams der NHL finaziell nicht stabil.

Umso wichtiger wird es sein, 2004 eine kluge und vor allem finanziell günstige Vereinbarung mit der NHLPA zu treffen, denn sonst könnte es der NHL demnächst so ergehen, wie kürzlich der IHL. Auch die hat jahrelang fleissig expandiert, um dann letztendlich den Spielbetrieb einzustellen. Das wird sicher nicht mit der NHL passieren, aber es könnte durchaus sein, dass man sich wieder gesundschrumpfen muss, wenn man den finanziellen Gau nicht abwenden kann. Die Liga braucht die kanadischen Teams. Sollte ein Team nicht gehlten werden können, stehen jederzeit sofort neue Standorte zur Verfügung, die gerne eine Frachnise hätten. Seattle, Portland und Kansas City sind die ersten Kandidaten im Falle eines Umzugs einer Franchise. Was aber wird aus den Traditionsclubs wie den Flames, Senators oder Oilers, wenn sie aufgrund der Lage an ihren derzeigen Standorten nicht gehalten werden können? Wie schwer es ist, nach einem Umzug Fuß zu fassen, sieht man an den Phoenix Coyotes und den Carolina Hurricanes. Sicher, die Hurricanes erreichten gerade das Finale, die Coyotes sind auf dem richtigen Weg. Die Colorado Avalanche hat seit dem Umzug aus Quebec sogar bereits zweimal den Stanley Cup gewonnen. Tatsache ist aber auch, dass die Hurricanes finanziell nicht stabil sind, die Coyotes ebenfalls keine großen Ansprüche stellen können. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, wann beim momentanen Stand, sprich der stetig steigenden Gehälter und Kosten, auch diesen Clubs das Aus droht. Es muss eine Lösung gefunden werden und zwar schnell.

Die NHL steht in der Beliebtheitsskala stellenweise noch hinter College Football und College Basketball. Die drei großen Ligen NFL, MLB und NBA sind der NHL weit voraus was TV Verträge und Einnahmen angeht. Aber die NHL hat die höchsten Eintrittspreise aller Profiligen und die Spielergehälter sind mitunter genauso hoch wie in den andereen Ligen, obwohl mit Eishockey definitiv nicht soviel Geld umgesetzt wird mit den anderen Sportarten. Imageschädigende Schlagzeilen, veraltete Spielregeln und eine endlos scheinende Saison tragen ebenfalls nicht gerade zur Steigerung der Beliebtheit bei. Sicherlich sollte man nicht alles über den Haufen werfen. Aber es muss ein Anfang gemacht werden. Die finanzielle Absicherung aller Teams ist ein Ziel. Die Verbesserung des Image ist ein weiteres. Aber auch das Spiel selbst muss noch attraktiver für den Zuschauer werden. Es muss schneller werden, was man mit verkürzten Unterbrechungen erreichen will. Es müssen mehr Tore fallen, was man mit der Änderung gewisser Regeln erreichen kann. Aber das wichtigste ist...die Gehälter müssen wieder auf ein vertretbares Niveau gesenkt werden. Alles wird vom neuen Rahmenvertrag zwischen NHL und NHLPA 2004 abhängen. Nur mit einem Salary Cap, also einer Begrenzung der Budgets, kann dies erreicht werden. Gleichzeitig muss eine Obergrenze für die Spielergehälter vereinbart werden. Nur so kann die Liga mit allen Teams auf Dauer überleben.

 

 

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