
- Oktober 1999 - Jedes Jahr beginnt das Spiel von vorn. Die Saison ist abgelaufen,
die Play Offs beendet. Alles konzentriert sich auf den Draft. Wer wird in der
ersten Runde gezogen, wer an erster Stelle? Jahr für Jahr kommen neue hoffnungsvolle
Nachwuchstalente, die in den Minor Leagues die Topscorer und Stars waren, in
die NHL. Paul Kariya wurde
an 4. Stelle in der ersten Runde gezogen. In der zweiten Saison machte er bereits
108 Punkte. Joe Sakic, als 15. in der ersten Runde gedraftet, machte
in der zweiten Saison 102 und in der dritten 109 Punkte. Eric Lindros,
1. gesamt gezogen, hat von allen aktiven Spielern in der NHL den besten Punkteschnitt
mit 1,37 Punkten pro
Spiel. Teemu Selänne wird als 10. in der ersten
Runde gezogen und schießt in seiner ersten Saison gleich 76 Tore. Das
ist Rekord!! Diese Spieler haben alle Erwartungen übertroffen. Aber es
gab auch einige Enttäuschungen. Chris Gratton, an 3. Stelle gezogen, konnte
die in ihn gesetzten Hoffnungen bisher nicht erfüllen. Alexandre Daigle,
1. gesamt, konnte bisher nicht die großen Erwartungen erfüllen. Pat
Falloon, 2. gesamt, war bisher eine große Enttäuschung. Keiner dieser
Spieler konnte auch nur annähernd das Potential in sich ausschöpfen.
Was aber ist der Grund dafür? Alle drei haben die kanadische Schule des
Eishockey genossen, alle drei durchlebten in ihrer Jugend die College und Minor
Leagues, waren also bestens vertraut mit der Spielweise in Nordamerika. Und
alle drei zählten zu den besten. Körperlich, technisch und läuferisch
sind sie hervorragend, aber irgendwas scheint sie zu bremsen. Sicher ist es
nicht einfach in einem schwachen Team seine NHL Karriere zu beginnen. Es fehlt
das Erfolgserlebnis und vielleicht auch die Führungsfigur. Aber spätestens
bei Philadelphia hatten alle
drei die Chance zu zeigen was in ihnen steckt, und alle drei haben versagt.
Vielleicht ist aber auch ganz einfach der Erfolgsdruck zu groß. Der immense
Druck, der auf einem jungen Spieler lastet, der sogar an 1. oder 2. Stelle gezogen
wurde, ist unglaublich groß. Ein Team wie Tampa Bay, nicht gerade erfolgsverwöhnt,
erwartet plötzlich von einem jungen Burschen, der neu in die Mannschaft
kommt, die gleichen Leistungen wie in den Minor Leagues. Da spielt der Kopf
dann manchmal nicht mit. Immer wieder wird man verglichen mit Stars wie Kariya
oder Lindros. Klappt es dann in der dritten Saison immer noch nicht,
wird man einfach an einen anderen Verein abgegeben. Das nagt an der Psyche
eines jungen Spielers. Er gerät unter Zugzwang und der Druck wird immer
stärker. Im Profisport fehlt leider manchmal die Zeit einen Nachwuchsspieler
langsam aufzubauen. Aber auch wenn man in der AHL oder der IHL der beste war,
muß man auf die härteste Liga der Welt gut vorbereitet sein, um hier
zu glänzen. und das setzt voraus, daß auch die mentale Einstellung
stimmt. Doch zu hohe Erwartungen können alles zunichte machen, bevor es
richtig begonnen hat.
