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Juni 2002 - Der alljährliche Entry Draft wird von Experten als wichtigste
Grundlage für den Aufbau eines Teams angesehen. In jedem Jahr gibt es immer
wieder einige große Talente, die sich mit Sicherheit in der NHL etablieren
und durchsetzen können. Bei jedem Draft gibt es Spieler die sehr hoch gesetzt
sind und auch sehr früh gezogen werden. Allerdings sind diese Spieler nicht
immer unbedingt auch die Erfolgreichsten in der NHL. Gute Beispiele für
Spieler die früh gezogen wurden und sehr erfolgreich sind oder waren gibt
es viele: Eric Lindros (1. gesamt 1991), Paul Kariya (4. gesamt
1993), Pat LaFontaine (3. gesamt 1983), Mario Lemieux (1. gesamt
1984), Brian Leetch (9. gesamt 1986), Jaromir Jagr (5. gesamt
1990), Ray Bourque (8. gesamt 1979), Paul Coffey (6. gesamt 1980),
Peter Forsberg (6. gesamt 1991), Mike Modano (1.gesamt 1988),
Joe Sakic (15. gesamt 1987), Teemu Selänne (10. gesamt 1988),
Pierre Turgeon (1. gesamt 1987), Mats Sundin (1. gesamt 1989),
Alexei Yashin (2. gesamt 1992), Martin Brodeur (20. gesamr 1990).
Diese Liste ließe sich noch recht lange fortsetzen. Aber es gibt auch
einige Beispiele für Spieler, die sehr früh gezogen wurden und selbst
nach vielen Jahren in der NHL ihr Potential nicht ausschöpften. So wurden
Alexandre Daigle (1. gesamt 1993), Pat Falloon (2. gesamt 1991),
Chris Gratton (3.gesamt 1993), Jeff Friesen (11. gesamt 1994),
Vincent Lecavalier (1.gesamt 1998) und Trevor Linden (12. gesamt
1988) allesamt sehr früh gezogen, waren aber bis heute entäuschend
und mittelmäßig. Der eine oder andere spielt schon gar nicht mehr
in der NHL. Es gibt aber auch viele Beispiele dafür, dass auch Spieler,
die erst spät gezogen wurden, sich zu absoluten Spitzenspielern in der
NHL entwickeln können. Petr Bondra (156. gesamt 1990), Pavel
Bure (113. gesamt 1989), Sergei Fedorov (74. gesamt 1989), Doug
Gilmour (134. gesamt 1982), Dominik Hasek (199. gesamt 1983), Jari
Kurri (69. gesamt 1980), Alexander Mogilny (89. gesamt 1988), Tommy
Salo (118. gesamt 1993) und Luc Robitaille (171. gesamt 1984) wurden
alle erst spät bis sehr spät gezogen, entwickelten sich aber sehr
schnell zu absoluten Topspielern in der NHL und hielten dieses hohe Niveau über
viele Jahre hinweg. Es ist also
gar nicht so leicht, beim Draft die richtigen Spieler zu ziehen. Man braucht
ein sehr gutes Händchen bei der Auswahl der vielversprechenden Talente.
Alle Spieler werden von Scouts gesichtet und in einem komplizierten System bewertet.
So werden die Draftlisten erstellt, in denen die Nachwuchsspieler dann, ihren
Qualitäten nach, eingeordnet werden. So werden dann die vermeintlich besten
Nachwuchsspieler sehr hoch gesetzt und in der Regel auch sehr früh gezogen.
Aber nicht alle entwickeln sich dann im Laufe der Zeit so, wie man sich das
vorgestellt hat. Meistens liegt es daran, dass einige Spieler zwar sehr talentiert
sind, aber eine schlechte Einstellung zum Leben, zum Training und zum Sport
haben. Andere wiederum konnten in ihrer Jugend nicht so glänzen, wuchsen
dann aber durch eine sehr positive Arbeitseinstellung über sich hinaus
und entwickelten sich, entgegen den Erwartungen, sehr gut. Es ist eben eine
Sache, in den Minor Leagues oder den College Clubs zu glänzen und eine
andere Sache, dann in der NHL zu beweisen, dass man das Zeug zum Star hat. Viele
schaffen zwar den Sprung in die beste Liga der Welt, kommen dann aber nicht
zurecht mit dem harten Training, dem disziplinierten Leben und den vielen Strapazen,
denen man täglich über Monate und Jahre hinweg ausgesetzt ist. Nicht
wenige Spieler verfallen in Depressionen, greifen zu Drogen und vernachlässigen
ihren Körper. Der Körper aber ist ihr wichtigstes Kapital. Wenn der
Körper nicht absolut fit ist, dann geht es mit der Karriere eines Sportlers
schnell bergab. Den Weg an die Spitze schafft man nur mit Disziplin und Mentaler
Stärke. Und nur mit Konstanz und Ausdauer kann man sich an der Spitze halten.
In der NHL, wie auch in anderen Profi Sport Ligen, ist kein Platz für labile
und undisziplinierte Menschen. Sie können zwar mit Talent den Sprung in
den Profi Sport schaffen, aber nicht nur mit Talent den Weg an die Spitze finden.
Für die Scouts ist es sicher schwer, einen Spieler auch psychisch richtig
einzuschätzen. Technische und läuferische Qualitäten kann man
beobachten, Statistiken studieren, nicht aber die Psyche eines Spielers. Und
so erlebt man immer wieder Überraschungen und Entäuschungen mit den
Nachwuchsspielern beim Entry Draft....
