
- Juni 2003 - Zwei Spieler miteinander zu vergleichen ist immer recht schwierig. Sehr viele unterschiedliche Aspekte spielen dabei eine Rolle. Die Ära, der Zeitraum, die Position, das Team, die Mitspieler.... Noch schwerer ist es allerdings zwei Torhüter miteinander zu vergleichen, erst recht wenn diese so unterschiedliche Typen sind. Torhüter sind viel mehr auf ihre Mitspieler angewiesen, wenn es um Satstistiken geht. Wenn man Roy und Hasek direkt miteinander vegleichen will, muss man zunächst bedenken, dass beide einen völlig unterschiedlichen Stil hatten. Dann muss man berücksichtigen, dass Roy sein erstes NHL Spiel mit 19 Jahren absolvierte, mit 20 Jahren in der NHL bereits als Nummer 1 im Tor stand und dabei ohne Erfahrung ins kalte Wasser geworfen wurde. Als Hasek in der NHL begann hatte er bereits viel Erfahrung und Erfolge in seiner Heimat gesammelt. Er war bereits wesentlich älter und weiter entwickelt als Roy. Hasek war schneller, beweglicher, akrobatischer. Roy dagegen besaß Nerven aus Stahl und einen unbändigen Siegeswillen. Roy begann zudem in einer Zeit, als Offensive noch groß geschrieben wurde, Hasek startete bereits in der Anfangsphase der Defensivtaktiken. Hasek spielte außerdem fast seine gesamte NHL Karriere in einem sehr defensiv orientiertem Team. Es ist also fast unmöglich einen Vergleich zu ziehen. Betrachten wir das ganze also eher als eine Art Zahlenspiel.
Patrick
Roy machte als Rookie seine erste Saison 1985/1986 bereits als Nummer 1
bei den Habs. Er beendete die Saison mit 23 Siegen (48,94 %), 1 Shutout
(4,55 %), einem Gegentorschnitt von 3,35 und einer Fangquote von 87,5
% in 47 Spielen. Er gewann den Stanley Cup und wurde als MVP der Play Offs
ausgezeichnet. Wer aber denkt, Roy's Stats wären schwach gewesen, hier
ein kleiner Vergleich: Vezina Trophy Gewinner John Vanbiesbrouck hatte einen
Gegentorschnitt von 3,32 und eine Fangquote von 88,7 % in dieser Saison. Dominik
Hasek kam mit 25 Jahren in die NHL, hatte bereits einschlägige Erfahrung
als Profi und als Nummer 1. Auch international hatte er bereits Erfahrung gesammelt.
Er nahm an 5 Weltmeisterschaften, 2 Canada Cups und Olympischen Spielen teil,
bevor er in die NHL kam. Aber bis er einen Job als Nummer 1 in der NHL bekam,
verging noch einige Zeit. In seiner ersten Saison absolvierte er nur 5 Spiele.
In seiner Rookie Saison 1992 war er bereits 26 Jahre alt. Er beendete die Saison
mit 10 Siegen (50,0 %), 1 Shutout (10,0 %), einem Gegentorschnitt
von 2,60 und einer Fangquote von 89,3 % in 20 Spielen. - Hasek
3 Punkte
Roy kam in seiner besten Saison auf 32 Siege (50,79 %), einen Gegentorschnitt von 1,94 bei einer Fangquote von 92,5 % und 9 Shutouts (28,13 %) in 63 Spielen. Hasek kam in seiner besten Saison auf 30 Siege (46,88 %), einen Gegentorschnitt von 1,87 bei einer Fangquote von 93,7 % und 9 Shutouts (30,0 %) in 64 Spielen. - Roy 1 Punkt/ Hasek 3 Punkte
Während 18 Saisons kam Roy auf 551 Siege (53,55 %), 66 Shutouts (11,98 %), einen Gegentorschnitt von 2,54 und eine Fangquote von 91,0 %. Sein Kontrahent Hasek kam in 12 Saisons auf 288 Siege (49,57 %), 61 Shutouts (21,18 %), einen Gegentorschnitt von 2,23 und eine Fangquote von 92,4 %. - Roy 1 Punkt / Hasek 3 Punkte
Wie sieht der Vergleich nun in den Play Offs aus? Hier ist ein Vergleich noch schwerer. Nimmt man die Play Offs mit Finalteilnahme sieht es folgendermaßen aus: Roy gewann 1986 insgesamt 15 Spiele (75,0 %) bei einem Gegentorschnitt von 1,92 und einer Fangquote von 92,3 % und 1 Shutout (5,0 %). In den Play Offs 1999 gewann Hasek dagegen 13 Spiele (68,42 %), mit einem Gegentorschnitt von 1,77 und einer Fangquote von 93,9 % und 2 Shutouts (15,38 %). - Roy 1 Punkt / Hasek 3 Punkte
In
den Play Offs 2001 kam Roy auf 16 Siege (69,57 %), einen Gegentorschnitt
von 1,70 bei einer Fangquote von 93,4 % und 4 Shutouts
(25,0 %). Mit Detroit kam Hasek 2002 auf 16 Siege (69,57 %), einen
Gegentorschnitt von 1,86 und einer Fangquote von 92,0 % mit 6
Shutouts (37,50 %). - Roy 2 Punkte / Hasek
1 Punkt
Insgesamt kam Roy in den Play Offs auf 148 Siege (61,67 %), einen Gegentorschnitt von 2,30 bei einer Fanquote von 91,9 % und 22 Shutouts (14,86 %). Dagegen kam Hasek auf 53 Siege (54,64 %), einen Gegentorschnitt von 2,03 bei eine Fangquote von 92,7 % und 12 Shutouts (23,53 %). - Roy 1 Punkt / Hasek 3 Punkte
Über die gesamte Karriere gesehen kam Roy auf 702 Siege (55,02 %), einen Gegentorschnitt von 2,48 bei einer Fangquote von 91,23 % und 89 Shutouts (12,78 %). Über die gesamte Karriere gesehen kam Hasek auf 341 Siege (50,29 %), einen Gegentorschnitt von 2,20 bei einer Fangquote von 91,98 % und 73 Shutouts (21,41 %). - Roy 1 Punkt / Hasek 3 Punkte
Wenn man nur den Zeitraum betrachtet, in dem beide Torhüter aktiv waren wird die ganze Sache noch etwas deutlicher. Roy kam von 1991 - 2002 in der Saison auf 383 Siege (52,82 %), bei einem Gegentorschnitt von 2,48 und einer Fangquote von 91,31 % sowie 49 Shutouts (12,79 %). Hasek kam im gleichen Zeitraum auf 288 Siege (49,57 %), 61 Shutouts (21,18 %), einen Gegentorschnitt von 2,23 und eine Fangquote von 92,4 %. - Roy 1 Punkt / Hasek 3 Punkte
Roy kam von 1991 - 2002 in den Play Offs auf 108 Siege (61,36 %) und einem Gegentorschnitt von 2,27 bei einer Fangquote von 92,10 % und 18 Shutouts (16,67 %). Im gleichen Zeitraum kam Hasek auf 53 Siege (54,64 %), einen Gegentorschnitt von 2,03 bei eine Fangquote von 92,7 % und 12 Shutouts (23,53 %). - Roy 1 Punkt / Hasek 3 Punkte
Insgesamt kam Roy von 1991 - 2002 auf 491 Siege (54,50 %) mit einem Gegentorschnitt von 2,43 und einer Fangquote von 91,47 % bei 67 Shutouts (13,56 %). Im gleichen Zeitraum kam Hasek auf 341 Siege (50,29 %), einen Gegentorschnitt von 2,20 bei einer Fangquote von 91,98 % und 73 Shutouts (21,41 %). - Roy 1 Punkt / Hasek 3 Punkte
Fazit: Wie bereits eingangs erwähnt ist anhand der Ergebnisse (Roy 10 Punkte / Hasek 28 Punkte) klar zu sehen, dass Hasek rein statistisch der talentiertere Torhüter war. Er war schneller, flinker, beweglicher, akrobatischer, beeindruckender und spektakulärer in seinen Aktionen. Er war zudem ein Shutout Spezialist. Roy dagegen war ein Kämpfertyp, besaß einen unbändigen Siegeswillen. Er besaß starke Nerven, ließ sich nicht beeindrucken. In wichtigen Entscheidungen und engen Spielen war er hochkonzentriert, hochmotiviert. Das machte ihn stark. Mit 20 Jahren stellte man ihn ohne Erfahrung ins Tor. Er hatte noch kein einziges Spiel als Profi absolviert. Bis dato hatte er nur 3 Jahre in der Junioren Liga gespielt. Und trotz enorm großen Druck als Nummer 1 in der Hauptstadt des Eishockey bestehen zu müssen, unter den kritischen Blicken der wohl fachkundigsten Fans und Zuschauer, hielt er stand. Er gewann bereits in seiner ersten Saison mit Montreal den Stanley Cup und war dabei der wichtigste und entscheidende Spieler. Hasek dagegen war älter und wesentlich erfahrener, musste aber erst 3 Jahre als Backup Goalie dienen. Er machte bereits mit 16 jahren sein erstes Spiel in der 1. Liga in seiner Heimat. Mit 17 war er schon die Nummer 1 in Pardubice. Bevor er in die NHL kam hatte er bereits 9 Jahre als Profi im Tschechien gespielt. Zudem hatte er schon 56 Spiele mit der tschechischen Nationalmannschaft absolviert. Er war also schon sehr weit entwickelt und bestens für die NHL vorbereitet. Hasek war vielleicht der bessere Torhüter, aber Roy machte sich selbst zum Mythos. Denn letztendlich gehört mehr als nur Talent dazu, um so erfolgreich zu sein wie er. Und was ihm an Talent fehlte, glich er mit seinem Kampfgeist, seiner Nervenstäre und seinem Siegeswillen wieder aus. Hasek hielt im Schnitt mehr Schüsse und ließ weniger Tore zu. Aber Roy gewann nicht nur prozentual mehr Spiele, sondern auch die entscheidenden Spiele. Wer nun tasächlich der stärkere Goalie war, kann man nicht sagen. Beide haben aber ihren Platz in der "Hall of Fame" sicher...