Deutsche in der NHL

Foto: Uwe Krupp - Januar 2000 - Wer erinnert sich nicht an das vierte Spiel der Finalserie, zwischen der Colorado Avalanche und den Florida Panthers. In der dritten Overtime erzielt Verteidiger Uwe Krupp das alles entscheidende Tor zum 1:0. Die bis dahin verbissen kämpfenden Panthers sind geschlagen und King Kong, wie ihn alle hier nennen, ist der erste deutsche Spieler, dessen Name auf dem Stanley Cup eingraviert wird. Von dem grössten Triumph eines deutschen Eishockeyspielers nimmt man in seiner Heimat kaum Notiz. Auch die Bilderbuchkarriere des Verteidigers, der seine Profilaufbahn beim Kölner EC begann, wird in Deutschland kaum verfolgt oder beachtet. All die Stationen, die Uwe Krupp in seiner 14-jährigen NHL- Karriere durchlebte, bleiben den meisten deutschen Fernsehzuschauern und Sportinterressierten verborgen. Buffalo, New York, Quebec, Colorado und zuletzt Detroit, waren die Ausgangspunkte zu hunderten von Auswärtsspielen. Mit knapp 21 Jahren war er 1986 über den großen Teich gekommen, um in der besten Liga der Welt sein Glück zu versuchen. 1994 spielte er dann, während des NHL Lockouts, kurz sogar für den EV Landshut. Das Gastspiel dauerte allerdings nur 10 Tage, dann ging es zurück nach Nordamerika. Und was vor ihm noch kein Deutscher geschafft hat, ist ihm dann endlich gelungen. Der Gewinn der begehrtesten Trophäe im Eishockeysport, dem Stanley Cup. Heute ist der 34-jährige zwar noch unter Vertrag bei den Detroit Red Wings, aber sein Gesundheitszustand wird wohl einen weiteren Einsatz in der NHL nicht zulassen. Uwe Krupp hatte inzwischen schon mehrere Bandscheibenvorfälle und hat zudem auch noch rechtliche Schwierigkeiten mit seinem Arbeitgeber.

Nur einem deutschen Spieler war es vorher gelungen, sich in der NHL zu etablieren. Uli Hiemer verließ mit 21 Jahren den Kölner EC und spielte drei Jahre lang für die New Jersey Devils, brach aber seine Karriere in Nordamerika nach 141 Einsätzen ab, um ein lukratives Angebot der Düsseldorfer EG anzunehmen. Auch Udo Kiessling, Karl Friesen und Erich Kühnhackel hatten Angebote aus der NHL, aber nach wenigen Einsätzen, bzw. einem Besuch im Trainingscamp, wurde das Vorhaben wieder beendet.

Foto: Marco SturmIn den letzten Jahren versuchen immer wieder junge, deutsche Spieler ihr Glück in Nordamerika, müssen aber sehr schnell feststellen, daß der Weg in die NHL nur über die Minor Leagues führt. In den Farmteams werden die jungen Wilden auf den harten Einsatz in der höchsten Klasse vorbereitet. Nur wenige können bisher einen Einsatz in einem NHL Team vorweisen.Marco Sturm war der erste, dem es gelang sich in der NHL einen festen Platz zu erkämpfen. 1996 war er von den San Jose Sharks beim Draft gezogen worden. Dann bewies er im Farmteam seine Qualität und erhielt eine Chance bei den Sharks, die er dann auch zu nutzen wusste. Heute, mit 22 Jahren, zählt er im Team zu den Leistungsträgern und spielt meistens mit Owen Nolan und Mike Ricci in einer Reihe. Der zweite war Jochen Hecht. Der Stürmer spielte bei den Adler Mannheim, bevor er den Sprung nach Nordamerika wagte, um für die St. Louis Blues zu spielen.. Aber vorher musste auch er sich im Farmteam der Blues durchbeissen. Er zeigte gute Leistungen und als dann ein Stammspieler in den Play Offs '99 ausfiel, war seine grosse Stunde gekommen. Er zeigte hervorragende Leistungen und erzielte sogar zwei wichtige Tore in den Play Offs. Seit dem gehört der 21-jährige zur Stammformation und zu den Leistungsträgern der Blues. Meistens spielt er sogar mit dem Star der Mannschaft, Center Pierre Turgeon, in einer Reihe.

Foto: Olaf KölzigAber es gibt auch einen deutschen Superstar in der NHL. Olaf Kölzig ist zwar in Südafrika geboren, aber eigentlich ist er Kanadier, denn er ist kurz nach der Geburt mit seinen Eltern nach Kanada gegangen, wo er aufgewachsen, zur Schule gegangen und auch zum Eishockey-Torwart ausgebildet worden ist. Irgendwann, als er für Team Canada spielen wollte, fiel auf, daß er gar nicht spielberechtigt ist für Kanada, wohl aber für Deutschland. Seine Eltern waren Deutsche und er ist dadurch automatisch deutscher Staatsbürger. Seitdem ist er Deutschlands Goalie Nr. 1, wenn er zur Verfügung steht. Seine NHL-Karriere begann er 1990 bei den Washington Capitals, wobei auch er die meiste Zeit im Farmteam zubrachte. In der Saison 96/97 zeigte er aber so starke Leistungen als Backup Goalie für Bill Ranford, daß er diesen in der folgenden Saison als Nr. 1 ablöste. Seit dem zählt der 30-jährige Olaf Kölzig zu den besten Goalies in der NHL.

Aber es gibt noch einige junge Spieler die momentan in Nordamerika ihr Geld verdienen, wenn auch nur in den Minor Leagues.Stefan Ustorf versucht schon seit Jahren sein Glück, aber der Stürmer konnte sich bis heute noch keinen Stammplatz bei den Washington Capitals erkämpfen. In der DEL war er der beste deutsche Spieler, musste aber schnell erkennen, daß es in der NHL nicht so leicht ist. Erich Goldmann, Verteidiger der Ottawa Senators, machte in dieser Saison sein erstes NHL Spiel, wurde aber gleich so schwer verletzt, daß er für mehrere Wochen ausfiel. Derzeit spielt der 23-jährige wieder in der AHL und wartet auf seinen nächsten Einsatz. Der 21-jährige Stürmer Robert Francz, dessen Rechte die Phoenix Coyotes besitzen, wartet ebenfalls auf seinen ersten Einsatz und spielt momentan in der AHL. Nico Pyka, 21-jähriger Verteidiger, der zuvor für die Eisbären Berlin tätig war, spielt derzeit in der CHL. Sasha Goc, 20-jähriger Verteidiger der für die Schwenninger Wild Wings spielte, verdient sein Geld in der AHL und wartet auf seinen Einsatz für die New Jersey Devils. Und Sven Butenschön, 23-jähriger Verteidiger, der eigentlich Kanadier ist, spielt derzeit in der IHL, hatte aber schon einige Einsätze für die Pittsburgh Penguins.

Immer mehr deutsche Spieler wagen den Versuch in die NHL, auch wenn es ein langer, harter Weg ist. Und das ist auch gut so. Denn hier können die Spieler viel lernen, werden auf das harte Profigeschäft bestens vorbereitet und sammeln Spielpraxis unter den verschiedensten Umständen. Nur so wird ein junger, unerfahrener Spieler auf das Leben, und den damit verbundenen Strapazen, eines Eishockeyprofis eingestellt.

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