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- September 2001 - Der Anlass zu diesem Bericht, war für mich die erschütternde Nachricht von der Erkrankung Saku Koivus. Diese Meldung machte mich sehr nachdenklich und so beschloss ich diesen Bericht zu verfassen.

Foto: Teamkameraden bei der PressekonferrenzBei der Pressekonferrenz herrschte große Betroffenheit, als bekannt gegeben wurde, dass Saku Koivu an Krebs erkrankt ist. Alle Teamkameraden und die gesamte Führung des Vereins waren schockiert. Was würde nun mit Koivu geschen? Natülich gibt es jetzt nicht wichtigeres als seine Gesundheit. Aber was passiert, wenn er seine Karriere beenden muß? Saku Koivu ist einer der wichtigsten Spieler der Montreal Canadiens. Er ist ihr Kapitän und Topscorer. Sein Verlust wäre auch ein großer Rückschlag für das Team.

Das Karriereende eines Spielers ist immer eine etwas wehmütige Angelegenheit, vor allem für den Spieler selbst. Im Normalfall beendet ein Spieler seine Karriere aus altersbedingten oder familiären Gründen. Dann liegt oft eine lange und erfolgreiche Zeit hinter ihm. Denken wir nur mal an Wayne Gretzky. Der hat alles ereicht, was man in der NHL erreichen kann. Und das sogar mehrfach. Viermal gewann er den Stanley Cup. Zehnmal war er Topscorer der NHL. Achtmal gewann er die Art Ross Trophy als MVP. Zweimal wurde er zum MVP der PLay Offs gewählt und mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichnet. Oder nehmen wir Ray Bourque, der in seinem letzten Anlauf endlich das große Ziel, den Stanley Cup, erreicht hat. Vorher wurde er fünfmal mit der Norris Trophy als bester Verteidiger ausgezeichnet. Dabei ist er auch der beste Verteidiger aller Zeiten nach Punkten und Toren. Und so gibt es viele große Spieler, die mit feuchten Augen ihre Karriere beendeten. Rückblickend können sie sagen: "Ich habe alles erreicht!" Die meisten Spieler allerdings beenden ihre Karriere ohne jemals den Stanley Cup gewonnen zu haben, ohne einmal zum MVP der Play Offs gewählt worden zu sein, ohne einmal als Topscorer der NHL die Saison abgeschlossen zu haben. Aber das gehört zum Geschäft in diesem Sport, wie das Eis und die Kufen.

Foto: Eric LindrosEine ganz andere Sache ist es aber, wenn ein junger Spieler auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn durch eine Verletzung zum Karriereende gezwungen wird. Auch hier gibt es leider viele Beispiele. Eines davon ist Pat LaFontaine. Der Center war ein herrausragender Spielmacher und ein glänzender Techniker und Schlittschuhläufer. Er war ein starker Führungsspieler und vor allem immer ein sehr fairer Sportsmann. Auch Abseits der Eisfläche war er ein Gentleman und Vorbild. Er hatte stets ein offenes Ohr für seine Mitspieler, vor allem für die jungen Nachwuchsspieler. Nach einer schweren Gehirnerschütterung wurde er von den Buffalo Sabres zu den New York Rangers transferiert. Dort spielte er eine Saison, bevor eine erneute Gehirnerschütterung seiner Karriere das Ende bescherte. Auch Brett Lindros, der jüngere Bruder von Eric Lindros, mußte seine Karriere bei den New York Islanders auf Grund einer schweren Gehirnerschütterung, frühzeitig beenden. Zuletzt war es dann Eric Lindros selbst, dem fast das gleiche Schicksal bevorstand. Ober er seine Laufbahn über längere Zeit fortsetzen kann, ist noch unklar. Das wird die Zukunft zeigen.

Auch andere Verletzungen haben bereits viele Karrieren beendet. Denken wir an die Bandscheibenvorfälle von Uwe Krupp, der vielleicht seine Karriere nun doch fortsetzen kann. Aber schon der nächste Check in den Rücken kann das Aus bedeuten. Wieviele Spieler mußten bereits wegen einer Knieverletzung, einem Bänderriß oder einer Wirbelverletzung die Schlittschuhe an den Nagel hängen. Der vielversprechende und talentierte Verteidiger Bryan Berard mußte seine Karriere aufgeben, weil er in einem Spiel gegen die Ottawa Senators ein Auge verlor. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade mal 22 Jahre alt. All diese Verletzungen sind aber Teil des Sports, den diese Spieler alle so lieben. Es ist ein harter Sport. Und immer wieder gibt es schwere Verletzungen, die das Ende bedeuten können. Aber jeder Spieler weiß um die Gefahren und möglichen Konsequenzen. Auch die gehören zum Sport wie der Puck und der Stock. Und keiner dieser Spieler, die vorzeitig ihre Karriere beenden mußten, wird Not leiden müssen. Ihr Ego ist verletzt und sie können den Sport, den sie so lieben, nicht mehr professionell ausüben. Aber sie alle haben wohl so gut dabei verdient, dass sie sich um finanzielle Dinge nicht sorgen müssen. Und sie alle können einen anderen Job ausüben, vielleicht sogar im Eishockeybereich. Als Berater, Trainer, Manager oder ähnlichem, können sie ihrem Sport weiterhin erhalten bleiben.

Foto: Finnische Nachwuchsspieler der Montreal CanadiensEine ganz andere Geschichte erzählt uns Vladimir Konstantinov. Der Verteidiger war nach dem Stanley Cup Sieg, mit den Detroit Red Wings 1998, Opfer eines schweren Autounfalls und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt ist. Er mußte durch die Dummheit eines anderen seine Karriere beenden, denn der Fahrer des Wagens, der Mannschaftsmasseur der Red Wings, war betrunken. Er wurde nicht bei der Ausübung seines Berufes, seines Sports, verletzt, sondern durch die vermeidbare Handlung eines Menschen, der leichtsinnig und unverantwortlich mit dem Leben eines Menschen gespielt hat.

Noch drastischer wird es aber, wenn das Leben eines Spielers bedroht wird durch eine tödliche Krankheit. Und der jüngste Fall ist nun Saku Koivu. Der finnische Center ist erst 26 Jahre alt und seine Karriere hat den Höhepunkt noch nicht erreicht, da steht sie bereits auf dem Spiel. Aber was ist schon eine Karriere im Vergleich zum Leben? Plötzlich ist die Karriere, der Sport und aller Erfolg nicht mehr wichtig. Allein das Leben, die Gesundheit, ist das höchste Gut eines jeden Menschen. Bei Untersuchungen im Krankenhaus fanden die Ärzte maligne Zellen, d.h. Krebszellen, in seiner Bauchhöhle. Diese Zellen lassen auf Lymphknotenkrebs schließen. Noch sind nicht alle Test abgeschlossen, aber es sieht nicht gut aus für ihn. Saku Koivu ist in der NHL bekannt für seinen Kampfgeist, für seinen Einsatz und dafür, dass er stets alles gibt. Nun steht ihm sein schwerster Kampf bevor. Der Kampf um sein Leben.

Vor ihm haben bereits andere diesen Kampf gewonnen und damit gezeigt, dass eine Chance besteht auch den Krebs zu besiegen. Mario Lemieux ist wohl das beste Beispiel. Er erkrankte vor Jahren ebenfalls an Lymphknotenkrebs und besiegte die tödliche Krankeits. Heute spielt er wieder auf höchstem Niveu. Weitere Beispiele sind John Cullen und Schiedsrichter Paul Stewart. Beide waren an Krebs erkrankt und gewannen den Kampf um ihr Leben. Das wohl bekannteste Beispiel ist aber Lance Armstrong. Der US Amerikaner war vor ein paar Jahren an Hodenkrebs erkrankt und rang mit dem Tod. Er besiegte die Krankheit und gewann anschließend zweimal in Folge das schwerste Radrennen der Welt, die Tour de France.

Foto: Mark Recchi und Mario LemieuxDie Unterstützung seiner Teamkollegen und seiner Familie ist Saku Koivu gewiss. Aber auch alle anderen Spieler der NHL nehmen großen Anteil an seinem Schicksal. Spieler wie Mario Lemieux und Mark Recchi, aber auch Keith Primeau und John LeClair sowie Steve Yzerman und Eric Weinrich äußerten sich bereits tief betroffen und schockiert von der Meldung um Koivus Erkrankung. Recchi ist sehr gut befreundet mit Koivu und spielte in Montreal bereits mit ihm zusammen. Er sagte:"Ich war schockiert als ich hörte, dass Koivu an Krebs erkrankt ist. Ich werde ihn so schnell wie möglich besuchen. "Mario Lemieux, der nach seiner Kreinkheit eine Stiftung gegen Krebs gegründet hat, sagte: "Unsere Gedanken sind bei ihm und seiner Familie. Voller Hoffnung werden wir diese schreckliche Krankheit bekämpfen, die Millionen von Menschen bedroht." Teamkollege Brian Savage besuchte Koivu bereits im Hospital und sagte anschließend: " Saku sah aus wie ein Geist. Es sieht nicht gut aus für ihn." Keith Primeau äußerte sich sehr niedergeschlagen: "Es ist demoralisierend und es läßt alles so unwichtig erscheinen." Steve Yzerman sagte: " Es tut mir schrecklich Leid für ihn. Er kämpfte bereits mit einer Verletzung nach der andern. Er ist ein erstklassiger Spieler und ich hoffe, dass er diese Sache durchsteht." John LeClair sagte dazu: "Es war furchtbar als ich die Meldung hörte. Wir Spieler denken immer, wir wären unberührbar, aber so eine Sache zeigt uns allen, wie verletzlich wir sind." Eric Weinrich, ehemaliger Teamkollege von Koivu, sagte: "Ich war völlig niedergeschlagen. Saku ist ein solcher Kämpfer und er hatte in den letzten Jahren mit so vielen Verletzungen zu kämpfen, ich weiß nicht was ich sagen soll. Es ist eine Schande. Alles was wir tun können, ist ihn unterstützen und für ihn beten. "

Was uns diese Sache zeigt, ist die Hilflosigkeit eines Menschen. All die Millionen Dollars, die die Spieler in der NHL verdienen, sind völlig ohne Belang, wenn plötzlich das Leben auf dem Spiel steht. Jeder einzele von ihnen ist dann genau so wehrlos und sterblich wie wir. Und das gleiche Schicksal kann schon Morgen jedem von uns passieren.

Foto: Saku Koivu

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