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Die Liga der Millionäre

- November 1999 - Die NHL ist die beste Eishockey-Liga der Welt. Die NHL ist auch die härteste Eishockey-Liga der Welt. Und die NHL ist für Spieler die finanziell attraktivste Eishockey-Liga der Welt. Letzterer dürfte wohl der Hauptgrund dafür sein, daß jeder Spieler auf der Welt am liebsten in Amerika spielen möchte, und jedes Jahr erneut viele Europäer den Sprung über den großen Teich wagen.Foto: Dominik Hasek Die absoluten Top- Stars verdienen Riesensummen. Peter Forsberg und Paul Kariya haben Dreijahresverträge  über 30 Mio. Dollar. Theo Fleury hat einen Vertrag über vier Jahre der mit 28 Mio. Dollar dotiert ist. Eric Lindros verdient 8,5 Mio. pro Saison, Dominik Hasek 7 Mio. pro Saison, Curtis Joseph und Mats Sundin 6 Mio. pro Saison. Mike Richter, Patrick Roy und Rob Blake bekommen 5 Mio. Dollar pro Saison. Auch Olaf Kölzig verdient inzwischen 5 Mio. Dollar im Jahr. Der junge Marco Sturm läßt sich jährlich 800 000 Dollar auf sein Konto überweisen. Diese Liste könnte man beliebig fortsetzen. Es gibt nur einen einzigen Spieler in der NHL der weniger als 100 000 Dollar pro Jahr verdient Das letztjährige Durchschnittsgehalt in der NHL lag bei etwa 1,2 Mio. Dollar, aber es dürfte diese Saison eher noch etwas höher liegen. Zum Vergleich: der höchst dotierte Vertrag in der DEL läuft über 400 000 DM pro Saison. Somit wäre das Durchschnittsgehalt in der NHL etwa fünf mal so hoch wie das Spitzengehalt in der DEL. Das teuerste Team der NHL sind in diesem Jahr mal wieder die New York Rangers. Sie kosten den Verein allein in dieser Saison 65 Mio. Dollar. Es folgen Detroit mit etwa 50 Mio., Dallas und Philadelphia mit 40 Mio. Das billigste Team sind wohl die Atlanta Thrashers mit rund 15 Mio. Dollar für diese Saison. Im Durchschnitt kostet ein NHL Team etwa 30 Mio. Dollar im Jahr an Spielergehältern. Diese Summen muß ein Verein aber irgendwie auch wieder reinholen. Im Fall der Rangers könnte dies ein schwieriges Unterfangen werden. Die Haupteinnahmequelle eines Vereins sind natürlich die Zuschauer. Dazu kommen Einahmen aus Merchandising und TV Rechten. Trikotwerbung ist im amerikanischem Profisport verboten. Und das ist auch gut so. Denn es gibt nichts häßlicheres, als wenn man das Trikot vor lauter Werbung nicht mehr sieht (DEL).
Nun ist es natürlich sehr schwer für einen Verein die hohen Kosten zu decken, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Gerade die Rangers stehen hier unter großem Druck. Sie haben das teuerste Team, aber wie in den Jahren zuvor große Probleme auf dem Eis. Nach ständigen Enttäuschungen haben aber auch die treuesten Fans irgendwann genug. Wenn die Zuschauer dann ausbleiben, fehlen auch die entsprechenden Einnahmen. Die Fanartikelverkäufe stagnieren und Sponsoren ziehen sich zurück. Das alles hat schon so manchen Verein in den Ruin getrieben. Die Folgen sind Besitzerwechsel oder der Umzug in eine andere Stadt.Foto: Alexei Yashin
Besonders die kanadischen Teams leiden unter den hohen Spielergehältern. Sie können die teuren Stars nicht halten und verlieren somit einen wichtigen Teil ihrer Schlagkraft. Die NHL droht zu einer Zweiklassen-Liga zu werden. Aktuelles Beispiel ist der Vertragsdisput zwischen Alexei Yashin und den Ottawa Senators. Der Russe hat einen gültigen Vertrag über 3,5 Mio. Dollar pro Saison. Er ist seit Jahren der Topscorer des Teams und war letzte Saison zum ersten mal auch einer der Topscorer der Liga. Diese Tatsache bewegte ihn dazu eine Gehaltsverbesserung auf 10 Mio. Dollar pro Saison zu verlangen. Eine recht bescheidene Lohnerhöhung. Er würde damit ebensoviel verdienen wie Forsberg und Kariya. Diese beiden haben aber im Gegensatz zu dem russischen Center schon mehrfach bewiesen, daß sie diese Summe auch wert sind. Sie zählen jedes Jahr zu den Topscorern und bringen auch in den Play Offs ihre Leistung. Yashin dagegen brachte es fertig, in der Serie gegen Buffalo nicht einen einzigen Scorerpunkt zu erzielen. Trotzdem weigert er sich weiter für sein Team zu spielen. Inzwischen haben sich einige Zuschauer zusammen getan, um Yashin zu verklagen.
Ein weiters Beispiel ist Byron Dafoe. Er war letzte Saison einer der besten Goalies in der NHL und die Nummer eins in Boston. Er war maßgeblich am Erfolg der Bruins beteiligt. Er verdiente im letzten Jahr etwa 2 Mio. Dollar, verlangte aber zu Beginn der neuen Saison 4.Mio. Trotz gültigem Vertrag weigerte er sich für die Bruins zu spielen. Da das Traditionsteam aus Boston ähnliche Probleme auch mit ihrem Topscorer Dmitri Khristich hatte, lief es für sie in der laufenden Saison gar nicht gut.
Mittlerweile hat Dafoe einen Vertrag über drei Jahre bei den Boston Bruins unterschrieben, Dmitri Khristich unterzeichnete allerdings bei den Maple Leafs in Toronto. Beide müssen aber Abstriche bei ihren ursprünglich geforderten Gehaltserhöhungen machen.
Der Rahmentarifvertrag der NHL, der alle finanziellen Aspekte zwischen Spielern und Vereinen regelt, läuft noch bis 2004. Erst dann werden neue Bedingungen zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt. Im Interesse aller Beteiligten wäre man gut beraten, sich auf eine Gehaltsobergrenze zu einigen. An dieser Gehaltsobergrenze könnten sich dann alle künftigen Gehaltsverhandlungen orientieren. Noch vor drei Jahren war Wayne Gretzky mit 6,5 Mio. Dollar pro Saison der bestverdienendste Spieler der NHL. Würde man diese Summe als Maßstab nehmen und alle Verträge entsprechend dotieren, würde wohl kaum ein Spieler verarmen. Den Vereinen dagegen wäre eine große Last genommen. Zum Ausgleich könnten den Spielern bei guten Leistungen besondere Prämien gezahlt werden. Das wäre auch ein Anreiz für alle Spieler.
Was aber tatsächlich in vier Jahren beschlossen wird, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher ist wohl, daß die Spieler wie 1995 streiken werden, und die komplette Saison 2004/2005 ausfallen wird. Da kann man sich nur warm anziehen und das beste hoffen.

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