
Oktober 2004 - Eigentlich hätte die Saison 2004/2005 bereits beginnen sollen. Aber aufgrund des ausgelaufenen Tarifvertrags und der nicht zustande gekommen Einigung über einen neuen Tarifvertrag sehen wir, die Fans, nun alle dumm aus der Wäsche. Dabei könnte es so einfach sein...
Im Grunde stehen nur zwei Personen einer Einigung zwischen Liga (NHL) und Spielergewerkschaft (NHLPA) im Weg. Diese beiden Personen sind NHL Commissioner Gary Bettman und NHLPA Direktor Bob Goodenow. Beide sind knallharte Verhandlungspartner und keiner der beiden will nachgeben und am Ende als Verlierer der Verhandlungsschlacht wohlmöglich auch noch seinen Job verlieren. Aber ist es wirklich eine Verhandlungsschlacht? Eigentlich nicht. Beide Seiten präsentierten bisher nur ihre Wünsche und Forderungen. Keine Seite war bisher bereit zu Kompromissen. Na ja, Verhandlungen sehen anders aus.
Gary Bettman war vor einigen Jahren verantwortlich für den aktuellen Tarifvertrag der NBA. Die NBA läuft wirtschaftlich blendend und das Durchschnittsgehalt in der NBA beträgt heute fast 5 Mio $. Dann wechselte Bettman zur NHL. Er bescherte der Liga einen äußerst lukrativen TV Vertrag und den kürzlich ausgelaufenen Tarifvertrag. Unter seiner Leitung expandierte die Liga von 24 auf 30 Teams. Bob Goodenow übernahm vor einigen Jahren das Amt und sorgte dafür, dass die Spieler so viel Geld verdienen können wie sie nur wollen. Den Gehältern waren keine Grenzen gesetzt. Beide haben viel erreicht, aber beide, Bettman wie auch Goodenow, sind stur und egozentrisch. Sie tun alles was nötig ist um als Sieger aus dieser Geschichte hervorzugehen. Dass dabei der Sport auf der Strecke bleibt interesiert weder den Einen noch den Anderen.
Gary Bettman ist ein Anwalt, der niemals selbst Eishockey gespielt hat. Bob Goodenow spielte zwar eine Zeit lang Eishockey, kam aber nie über den Status eines Halbprofis hinaus. Ganze zwei Jahre spielte er in der IHL. Aber entscheidend an der ganzen Sache ist wohl, dass beide US Amerikaner sind. Für den Sport wäre es sicher besser, wenn zwei Kanadier, die selbst in der NHL gespielt haben, die Ämter des Commissioners und des NHLPA Direktors besetzen würden. Zwei Persönlichkeiten, denen das Eishockey am Herzen liegt und zu denen jeder ehrfurchtsvoll aufblickt. Ideal wären beispielsweise Wayne Gretzky und Bobby Orr. Aber das wird wohl leider nur ein Traum bleiben.
Zur Zeit spielen über 200 NHL Spieler in Europa. Deshalb haben über 200 Spieler in Europa ihren Job verloren. Sie suchen nun einen anderen Job in einer unterklassigen Liga und nehmen dort wiederum 200 Spielern den Job weg. Alle NHL Spieler die zur Zeit in Europa spielen, verdienen dort erheblich weniger Geld als sie in der NHL verdienen könnten. Aber einen Salary Cap will niemand akzeptieren. Dabei waren viele NHL Spieler sogar bereit in der neu gegründeteten WHA zu spielen, die mangels Hallen und Teams den Spielbetrieb noch nicht aufnehmen konnte. Und was gibt es in der WHA? Einen Salary Cap von 15 Mio $. Einige NHL Spieler planen sogar, in einer eigens zu karitativen Zwecken gegründeteten Liga, kostenlos zu spielen.
Bisher konnte niemand genau sagen was nun so schlecht an einem Salary Cap ist. NHLPA Präsident Trevor Linden schaffte es in einem Interview auf die Frage eines Reporters, was so schlecht an einem Salry Cap sei, der in der NFL und der NBA wohl gut funktioniere, eine Minute lang rumzudrucksen ohne die Frage zu beantworten. Dabei muss ein Salary Cap nicht mal bedeuten, dass alle Spieler weniger verdienen. Aber gerade die Stars, die zwischen 6 und 11 Mio $ verdienen, sollten in der Lage sein, auf einen gewissen Teil zu verzichten, ohne in größere Not zu geraten. Wer nur noch 6 statt 11 Mio $ verdient, muss sicher nicht verhungern. Angesichts der weltweiten Wirtschftskrise, Terroranschlägen und hungernden Menschen in der Dritten Welt, erscheint einem schon die Aussage eines Alexei Kovalev, er müsse schließlich seine Familie ernähren, wie der blanke Hohn.
Interessant ist auch die Tatsache, dass mehrere Spieler bereits öffentlich ihre durchaus positive Einstellung zu einem Salary Cap, auf Druck der Gewerkschaft, nach kurzer Zeit wiederriefen. Ebenso interessant ist allerdings auch, dass jeder Teambesitzer, der sich negativ zum Lockout äußert, von Commissioner Bettman mit einer hohen Geldstrafe belegt wird.
So wie es aussieht wird wohl die gesamte Saison 2004/2005 ausfallen. Ob und wann es zu einer Einigung kommen wird ist völlig offen. Aber man darf zu recht befürchten, dass es keine Fortschritte geben wird, solange Gary Bettman und Bob Goodenow die Verantwortlichen sind. Bisher wurden keine neuen sinnvollen Vorschläge der beiden Seiten gemacht. Vorschläge Dritter wurden müde belächelt oder kommentarlos ignoriert. Selbst ein kompetenter und sinnvoller Lösungsvorschlag von TSN, dem größten TV Sender Kanadas, wurde von beiden Seiten abgelehnt. Von beiden Seiten übrigens mit der gleichen Begründung: Zu negativ aus eigener Sicht.