
August 2003 - Alles wartet schon jetzt gespannt auf das Ende der kommenden
Saison. Dabei haben noch nicht einmal die Trainingscamps begonnen. Im September
2004 läuft der bestehende Tarifvertrag zwischen NHL und NHLPA, der mächtigen
Spielergewerkschaft aus. Die NHL und die Teambesitzer wollen einen Salary Cap,
also eine feste Regelung für Gehaltszahlungen und Budgets. Die NHLPA und
die Spieler lehnen dies ab. Bisher war es so, dass die Teams den Spielern zahlen
konnten was sie wollen. Im Klartext heißt das, die Teams zahlten in der
Regel was die Spieler verlangten. Deshalb stiegen die Gehälter in den letzten
Jahren ins Unermessliche. Die absolute Grenze wurde erreicht, als Spieler wie
Jaromir Jagr
und
Peter Forsberg 11 Mio $ erhielten. 13 Spieler lagen in der letzten Saison im
Bereich der 10 Mio $ Marke. Jagr war mit 11.483.000 $ der Topverdiener der Liga.
Der beste Spieler war er allerdings nicht. Noch vor wenigen Jahren lag das Spitzengehalt
bei 6 Mio $. Aber durch den Free Agent Markt explodierten die Zahlen förmlich
und nahmen absurde Formen an. Ganze 29 Spieler lagen in der letzten Saison über
diesen 6 Mio $. Dabei waren es in der Vergangenheit immer die gleichen Teams,
die mit den großen Gehältern lockten. New York Rangers, Detroit Red
Wings, Colorado Avalanche, Dallas Stars, Philadelphia Flyers, St. Louis Blues,
Toronto Maple Leafs und Washington Capitals versuchten mit völlig überzogenen
Summen die Topstars zu locken. Mit Erfolg. Das hatte zur Folge, dass auch die
übrigen Gehälter für Rollenspieler und Arbeiter immens stiegen.
Das Durchschnittsgehalt lag letzte Saison bei 1,79 Mio $.
Im Vergleich zur NBA, der NFL und der MLB, den drei großen Profi-Ligen in Nordamerika, sind die Gehälter der NHL unverhältnismäßig hoch. Wenn man die Gehaltsbudgets in Relation zu den Einnahmen der Teams setzt, ist es kein Wunder, dass immer mehr Teams der NHL in finanzielle Bedrängnis geraten. Zuletzt waren es die Ottawa Senators und die Buffalo Sabres. Beide mussten Insolvenz anmelden. Insolvenz bedeutet Zahlungsunfähigkeit. Und was gibt es schlimmeres, als wenn ein Team seine Spieler nicht mehr bezahlen kann?
Durchschnittsgehalt der letzten 3 Jahre:
NFL
2002: 1,25 Mio $
2001: 1,1 Mio $
2000: 1,12 Mio $
NHL
2002-03: 1,79 Mio $
2001-02: 1,64 Mio $
2000-01: 1,36 Mio $
MLB
2003: 2,55 Mio $
2002: 2,38 Mio $
2001: 2,14 Mio $
NBA
2002-03: 4,92 Mio $
2001-02: 4,54 Mio $
2000-01: 4,2 Mio $
Die Einnahem der NFL sind 10mal größer als die Einnahmen der NHL, trotzdem ist das Durchschnittsgehalt in der NHL höher. Das Durchschnittsgehalt in der NBA beträgt sogar fast 5 Mio $. Die NHL aber leidet enorm unter den hohen Gehältern. Um diese Summen einigermaßen ausgleichen zu können wurden die Ticket Preise stetig erhöht, was zur Folge hat, dass immer weniger Zuschauer in die Stadien gehen. Die hohen Eintrittspreise sind für viele Zuschauer nicht mehr erschwinglich. Alle NHL Spiele werden aber auch im TV übertragen. Das ist für die Fans billiger.
Die NHL und die Teambesitzer haben damit ein schlagendes Argument im Kampf mit der NHLPA. Die NHL muss wieder gesund werden, muss konkurrenzfähig bleiben. Durch die riesigen Gehälter ist das Verhältnis zwischen reichen und armen Teams immer einseitiger geworden. Nur wenige Teams können sich Spieler wie Jagr, Forsberg oder Sakic leisten. Damit ist auch die Chancengleichheit nicht gegeben. Deshalb muss ein Salary Cap her, um die Chancengleichheit wieder herzustellen. Die New York Rangers zahlten letzte Saison über 80 Mio $ an ihre Spieler, die Minnesota Wild nur knapp über 20 Mio $. Das durchschnittliche Budget der Liga lag bei 42,6 Mio $.
Nun
kommen die NHL und die Teambosse allerdings in Schwierigkeiten. Die vergangene
Saison hat gezeigt, dass die Gehälter und Budgets nicht entscheidend sind.
Von den letzten vier Teams, lagen nur die New Jersey Devils mit 52 Mio $ über
dem Durchschnitt der Liga. Die übrigen drei lagen unter dem Durchschnitt.
Die Anaheim Mighty Ducks lagen bei 39 Mio $, die Ottawa Senators bei 30 Mio
$ und die Minnesota Wild bei nur 20 Mio $. Die Tems mit den großen Budgets
waren alle bereits vorzeitig ausgeschieden. Detroit (70 Mio $), St. Louis (62
Mio $), Colorado (60 Mio $), Toronto (54 Mio $) und Washington (50 Mio $) flogen
bereits in der ersten Runde raus. Philadelphia (55 Mio $) und Dallas (61 Mio
$) verabschiedeten sich in der zweiten Runde. Damit ist der Beweis erbracht,
dass das Geld alleine nicht ausschlaggebend ist. Allerdings ist es trotz allem
ohne Zweifel leichter ein Team aufzubauen, wenn man finanziell nicht eingeengt
ist. Denn eins ist auch klar, die Attraktivität leidet ebenfalls darunter.
Drei der vier letzten Teams in den vergangenen Play Offs spielten ein kompaktes
Defensivsystem. Die einzigen die auf Offensive setzten, waren die Ottawa Senators.
Und die unterlagen. Aber das Argument der Befürworter eines Salaray Cap
ist damit bereits stark entkräftet.
Ein weiters Argument dagegen ist sicher der aktuelle Trend der Teams, keine großen Gelder für Free Agents auszugeben. Bis auf wenige Ausnahmen gab es keine dicken Gehälter, kaum langfristige Verträge. Auch das ist ein Beweis aus der Sicht der NHLPA dafür, dass ein Salary Cap nicht erforderlich ist. Denn offensichtlich können die Teams auch ohne eine solche Begrenzung wirtschaftlich denken und handeln. Das nimmt der NHL in Bezug auf die bevorstehende Krise den Wind aus den Segeln.
Auch die Richter beim Schiedsgericht arbeiten nicht unbedingt für die NHL und ihren Visionen. Immer wieder wird Spielern vor Gericht eine enorme Gehaltserhöhung zugesprochen. Zuletzt war es Pavol Demitra der mit 6,5 Mio $ aus dem Gerichtssaal spazierte. Dann heißt es für den Arbeitgeber: Zahlen oder ziehen lassen.
Die Zeichen stehen jedenfalls nicht gut für die NHL, für den Salary Cap und für die Saison 2004/2005. Man kann sich schonmal an den Gedanken gewöhnen, dass diese Saison wohl komplett ausfallen wird. Entweder wird die NHL alle Spieler aussperren, oder die Spieler werden streiken. Die Verhandlungen haben nicht mal begonnen, da sind die Fronten bereits verhärtet. Die Gespräche werden, wenn sie denn beginnen, sehr zäh und langwierig sein. Das Phänomen, dass 1995 aufgetreten war, als viele NHL Spieler während des Lockout in Europa spielten, wird es diesmal nicht geben. Vertragsklauseln und Paragraphen verbieten NHL Spielern, dass sie während einer Aussetzung der NHL Saison in Europa anheuern. Nur vertragslose Spieler könnten dies tun. Es wird also eine lange und langweilige Zeit für NHL Fans.