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Der Wirtschaftsfaktor

- Februar 2000 - Die NHL ist nicht nur in sportlicher Hinsicht die größte Eishockeyliga, sondern auch wirtschaftlich. Eishockey erlebt schon seit Jahren einen immensen Boom in Nordamerika. Zum einen, wegen der einmaligen Ansammlung der besten Spieler aus aller Welt. Zum anderen, aber auch auf Grund geschickt ausgeklügelter und konsequent angewendeter Marktstrategien. So macht die NHL pro Saison etwa zwei Milliarden $ Umsatz, Tendenz steigend. Dabei wird die Hälfte durch den Verkauf von Fanartikeln erwirtschaftet. Und damit liegt die NHL nur auf Platz vier hinter NFL, NBA und MLB.

Foto: Mats Sundin Pro Spiel macht ein NHL Team im Durchschnitt etwa eine Mio. $ Umsatz mit dem Verkauf von Tickets und Verpflegung. Die Amerikaner zelebrieren ein Spiel, oft mit der ganzen Familie. Darum ist es auch so enorm wichtig, daß dem Team bzw. dem Besitzer auch die Halle gehört. Denn so fließen alle Einnahmen aus dem Verkauf von Getränken und Nahrungsmitten in die Vereinskasse. In der Regel ist der Teambesitzer auch der Eigner des Stadions.
Ganz besonders wichtig ist der Verkauf von Fanartikeln, vor allem der Verkauf von Teamtrikots. Alle Fanartikel unterliegen einer scharfen Kontrolle der NHL. Man achtet besonders bei den Fantrikots auf beste Qualität, im Gegensatz zu Europa, wo die Fanprodukte meist billige Ramschware sind. Darum bedarf auch jegliche Veränderung der Trikots seitens der Vereine, der ausdrücklichen Genehmigung der NHL. Trikotwerbung ist in Nordamerika gänzlich verboten. Und welcher Fan möchte schon Werbung für "Nürnberger Lebkuchen" machen?

Die Expansion nach Europa ist schon länger ein Thema, auch wenn diese Pläne derzeit auf Eis liegen. Der Absatzmarkt Europa ist groß, auch jetzt schon sind die Umsätze der NHL auf dem alten Kontinent nicht schlecht. 1995 betrug der Umsatz durch Fanartikel in Europa 30 Mio. $. 1996 waren es bereits 65 Mio. $ und 1998 überstieg der Umsatz sogar 100 Mio. $. Wenn man nun bedenkt, daß eigentlich kaum jemand in Europa die NHL live verfolgen kann, sind diese Umsatzzahlen umso erstaunlicher. Nur wenige können in Deutschland NHL Spiele live im TV sehen, ähnlich ist es in den meisten anderen europäischen Ländern. Anders ist es zB. in Finnland. Dort werden die Nachmittagsspiele live übertragen. Gleich zwei TV Sender bringen alle Finalspiele live. Alle Ereignisse um finnische NHL Cracks werden noch vor den Neuigkeiten aus der finnischen Suomi-Liga verbreitet. Tore von finnischen NHL Spielern werden gleich am nächsten Morgen in den TV Nachrichten gezeigt. Auch in Schweden und Tschechien gibt es ähnliche Verhältnisse. Stars wie Forsberg und Sundin, Selänne und Koivu, Jagr und Hasek oder Fedorov und Bure werden in ihrer Heimat genau beobachtet und wie Volkshelden verehrt. Darum ist Europa der wichtigste Markt neben Nordamerika, die Expansion in die alte Welt, irgendwann in der Zukunft nicht unwahrscheinlich.

Foto: Jaromir JagrEin weiterer Aspekt für den großen Eishockey-Boom in Nordamerika ist der Umgang mit der Fachpresse. Die Sportjournalisten werden vor dem Spiel bestens verpflegt und anschließend ausführlich und detailliert mit allen erdenklichen Statistiken und Informationen ausgestattet. Nach dem Spiel werden die Statistiken sofort aktualisiert, anschließend dürfen die Reporter mit den Trainern und Spielern in den Kabinen reden. Dabei sind die Akteure der Presse gegenüber sehr offen und geduldig. Profisport ist hier großes Entertainment und Geschäft. Jeder Spieler, jeder Trainer, jeder Manager trägt seinen Teil zur optimalen Vermarktung bei. Auch aus Spielergehältern oder den finanziellen Schwierigkeiten der Vereine macht man kein Geheimnis. Alle Finanzen liegen offen und sind bekannt. Das wäre in Europa undenkbar.

Aber der vielleicht wichtigste Aspekt in Nordamerika ist das Ligadenken. Anders als in Europa gilt hier: Die Liga ist wichtiger als der Club. Deshalb haben auch jedes Jahr die schwächeren Teams die erste Wahl beim Draft, denn so wird für einen sportlichen Ausgleich gesorgt. Auch für einen finanziellen Ausgleich sorgt man hier. Ganz im Gegensatz zur Fußball Bundesliga, wo der FC Bayern und Borussia Dortmund  80% des gesamten Fanartikelumsatzes machen, und so die ohnehin reichsten Vereine immer reicher werden, wird der Umsatz durch Fanartikel in der NHL auf alle Vereine gleichmäßig verteilt. Dabei profitiert die NHL auch vom typischen Konsumverhalten der Amerikaner, die bei jeder Gelegenheit ein Souvenier erhaschen, während man in Deutschland schon einen besonderen Anlass, wie etwa den Gewinn der Meisterschaft oder einen Pokalsieg braucht, um ein Fanprodukt zu kaufen. So machen zB. die Anaheim Mighty Ducks und die San Jose Sharks, die bislang recht erfolglos waren, riesige Umsätze durch Fanartikel. Die Gelder kommen dann auch den Teams in Kanada zu Gute. Denn nur wenn es allen Vereinen gut geht, kann es auch der Liga gut gehen. Darum sorgt sich auch die gesamte NHL, wenn ein Verein Schwierigkeiten hat. Frei nach dem Motto, die Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Nur so kann die NHL gegen die große Konkurrenz bestehen und wirtschaftlich wachsen.

Alles in allem ist die NHL ein florierender Wirtschaftszweig der Unterhaltungsbranche und man sucht immer noch weiter nach Mitteln und Wegen, diesen Boom auszubauen. Ein Weg wäre wohl der nach Europa. Vielleicht eine Serie zwischen dem Stanley Cup Sieger und dem Sieger der Europaliga? Erste Schritte wurden bereits unternommen, man denke da nur an den netten Herrn Anschütz (siehe auch "Das Anschütz- Imperium"). Aber das wird wohl noch einige Zeit dauern.

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