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Der Fan hat das Wort...

 

Der 9 Millionen Dollar Mann

Ein Artikel von Thomas Graan (Eric Lindros)

Bill Guerin- September 2002 - Viele sind der Meinung, die Gehälter in der NHL sind zu hoch. Andere wiederum denken, Leistung soll bezahlt werden. Die einen schreien nach dem Salary Cap, die anderen blocken und stellen sich stur. Tatsache ist, dass die Gehaltspirale ständig steigt und dabei auch das Durchschnittsgehalt permanent deutlich angehoben wird. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Es gibt nach wie vor Spieler die "nur" 100.000 $ im Jahr verdienen. Die Spitzengehälter steigen jedoch weiter an, so das dadurch natürlich auch der Durchschnitt steigt. Generell sind die Summen die heute an einzelne Spieler gezahlt werden, im Vergleich zum Umsatz der Teams, zu hoch. Gewinn machen nur sehr wenige Teams. Der Hauptgrund liegt auf der Hand. Die Ausgaben sind meistens höher als die Einnahmen. Eine logische Folge ist daher, dass wenige Teams in der Lage sind, die hohen Gehälter für Superstars zu bezahlen. Die meisten Teams können sich die Topspieler einfach nicht leisten. Deshalb verteilen sich die Superstars der Liga auch auf wenige Teams. Vor allem gibt es immer mehr Spieler die in die Riege der Spitzenverdiener aufsteigen. So geschah es zuletzt mit Bobby Holik und Bill Guerin. Beide unterzeichneten hochdotierte Verträge bei ihren neuen Arbeitgebern. Holik unterschrieb für 5 Jahre und NewYork bei den Rangers und wird dort pro Jahr 9 Mio $ verdienen. Auch Guerin erhält von den Dallas Stars für die kommende Saison 9 Mio $. Viele sagten gleich, dass beide Spieler damit überbezahlt seien. Vor allem bei Holik ist die hohe Summe zumindest ungewöhlich, da er nicht zu den Topscorern der Liga zählt.

Bobby Holik und Bill Guerin stehen seit kurzer Zeit auf einer Stufe mit Spielern wie Forsberg, Sakic, Modano, Jagr oder LeClair, zumindest auf einer Gehaltsstufe. Aber,...sind sie wirklich überbezahlt? Was bedeutet denn "überbezahlt"? Bedeutet es, dass sie das Geld, welches sie verdienen werden, nicht wert sind? Wer weiß das denn im Voraus? War denn Jaromir Jagr in der letzten Saison 10 Mio $ wert? Nein! War Joe Sakic in der letzten Saison 10 Mio $ wert? Nein! Oder war John LeClair in der letzten Saison 9 Mio $ wert? Nein! Alle drei genannten spielten eine eher schwache Saison für ihre Verhältnisse. Jagr kam mit den Capitals nicht mal in die Play Offs, war auch diesmal nicht der Topscorer der Liga. Sakic machte weniger Punkte als Spiele und LeClair in 82 Spielen nur 25 Tore. Demnach waren alle drei überbezahlt.

Nun lassen sich die Werte der einzelnen Spieler nicht immer an ihren Toren oder Punkten messen. Aber nehmen wir doch mal einige der Superstars etwas genauer unter die Lupe:

Pavel Bure verdient 10 Mio $ pro Saison. Er macht im Normalfall immer seine 50 Tore. Und für seine Tore wird er bezahlt. Aber er machte bisher nur 77 % aller möglichen Saisonspiele. Das heißt, er fällt recht oft, aufgrund von Verletzungen, aus. Er erzielte bisher in 663 Spielen 418 Tore. Es ist also offensichtlich, was ihn so wertvoll macht. Er ist der beste Torjäger der NHL. Aber er ist auch launisch. Bure ist ein äußerst schwieriger Charakter und nur schwer zu führen. Er ist ein Aussenseiter, kein Teamspieler. Wenn ihm etwas nicht passt, wird es nicht gemacht. Er ist nicht gerade bekannt dafür, dass er die Drecksarbeit erledigt. Bei 418 Toren ist seine +/- Bilanz nur +38 in 663 Spielen. Zur Verteidigung sei aber gesagt, dass er lange in Vancouver und Florida spielte, also nicht gerade in Top Teams.

Sergei Fedorov machte 88 % aller möglichen Spiele. dabei erzielte er in 828 Spielen 364 Tore. Seine Torausbeute ging aber in den letzten Jahren stark zurück. Allerdings ist seine +/- Bilanz +262, was seine Defensivstärke bestätigt. Natürlich kann man in einem Team wie den Red Wings, deren Abwehr seit Jahren zu den besten zählt, mit einer guten Bilanz glänzen. Auch Fedorov gilt als Diva. Er ist ein eigensinniger Typ, der unter Bowman schon mehrmals dazu verdonert wurde, als Verteidiger zu spielen, da seine Offensivausbeute mangelhaft war. Ohne Zweifel ist er aber einer der besten Zwei-Wege-Stürmer der Liga. Allerdings glänzte er auch schon mit Arbeitsverweigerung um einen besseren Vertrag zu erzwingen.

Peter Forsberg absolvierte 87 % aller möglichen Spiele. In 466 Spielen erzielte er 169 Tore und hat eine Bilanz von +138. Auch der Schwede gilt als einer der besten Zwei-Wege-Stürmer der NHL. Er ist ein genialer Spielmacher, aber kein Torjäger. Sicher machte er schon viele klasse Tore, aber mehr als 30 Treffer machte er noch nie. Er ist ein sehr guter Checker und kaum zu stoppen. Aber er ist verletzungsanfällig. Er ist als Center nicht mal ein besonders guter Bullyspieler. Trotzdem war er der Avalanche 11 Mio $ wert. Seine Arbeitseinstellung sucht aber seinesgleichen. Er kämpft und rackert, checkt, macht Tore und erledigt die Drecksarbeit. Kurzum...er macht alles was man von ihm erwartet und das ohne zu murren. Einen Spieler wie ihn hätte jeder Trainer gerne im Team.

Eric Lindros machte nur 80 % aller möglichen Spiele. Zahlreiche Gehirnerschütterungen warfen ihn immer wieder aus dem Rennen. Auch er ist kein leicht zu führender Spieler. Aber kein anderer Spieler kombiniert spielerische Klasse mit körperlicher Wucht so perfekt wie Lindros. Er zählt sicher zu den 5 besten Spielmachern der NHL. Dabei ist er aber auch sehr torgefährlich. In 558 Spielen erzielte er bisher 327 Tore. Dabei hat er eine Bilanz von +207. Er weiß scheinbar auch wo das eigene Tor steht und arbeitet gut an der eigenen blauen Linie. Wenn 108 Kg erstmal ins Rollen kommen, ist er kaum zu stoppen. Ausser...ja, ausser durch harte Checks zum Kopf. Jeder Check kann der letzte sein und seine Karriere beenden. Seine Verpflichtung ist ein großes Risiko. Er ist aktuell der einzige, der einen leistungsbezogenen Vertrag hat. Er bekam laut Vertrag nur 2 Mio $. Im Fall, dass er mindestens 72 Spiele absolvierte, garantierte man ihm weitere 6 Mio $ als Bonus. Seinen Bonus hat er bekommen....

Jaromir Jagr machte in 875 Spielen 470 Tore und hat eine Bilanz von +207. Dabei warf man ihm schon öfter vor, dass er keine Defensivarbeit übernehme. Seine Bilanz sagt aber was anderes. Und die Pittsburgh Penguins waren nicht gerade bekannt für ihre starken Verteidiger. Jagr absolvierte 93 % aller möglichen Spiele. Das allein ist schon verwunderlich, weiß man doch von seiner Verletzungsanfälligkeit. Aber genau betrachtet ist er nicht so verletzungsanfällig wie man glaubt. Er fehlt aber oft in entscheidenden Spielen. Vor allem in den Play Offs hat er ausserdem bereits des öfteren Formschwächen gezeigt. Er ist zweifelos einer der besten Spieler der Welt, aber eben oft nicht dann, wenn man ihn dringend braucht. Wenn man ihn hart attackiert, ist er zu leicht aus dem Spiel zu nehmen.

Teemu Selänne verdiente die letzten Jahre 10 Mio $ pro Saison. Für einen Spieler der bereits 76 Tore in einer Saison erzielte sicher nicht zu viel,...oder? Leider konnte er diese Leistung nie wiederholen. Er kam mehrmals an die 50 Tore Marke ran, aber in den beiden letzten Jahren zusammen erzielte er gerade mal 62 Tore. Und das für 10 Mio $?? Selänne machte 92 % aller Spiele, aber auch er ist zu leicht auszuschalten, wenn man ihn hart attackiert. Tiefunkt war die letzte Saison, als er nur 29 Tore in 82 Spielen erzielte. Für 10 Mio $? Sicher, er machte in 719 Spielen 408 Tore, aber seine Bilanz ist dabei nur +37. Zuletzt war seine Bilanz bei den defensiv starken Sharks sogar -11.

Mats Sundin absolvierte 98 % aller möglichen Spiele. Er ist ein hervorragender Leader und Spielmacher. In 930 Spielen machte er immerhin 397 Tore und hat eine Bilanz von +44. Bedenken muss man hier jedoch, dass die Maple Leafs seit Jahren zwar offensiv stark sind, aber ihre Abwehr stets der Schwachpunkt war. Sundin ist aber auch einer der besten Bullyspieler der Liga. In den Play Offs ist er stets in Hochform. Er kann eigentlich nur mit unfairen Mitteln gestoppt werden. Er ist ein starker Charakter und für sein Team immer äußerst wertvoll. Er hat keine Allüren und ist sehr umgänglich. Kurz gesagt...ein Spieler nach dem Wunsch eines jeden Trainers.

Joe SakicJoe Sakic absolvierte 92 % aller möglichen Spiele. Dabei erzielte er in 1016 Spielen 483 Tore und hat eine Bilanz von +13. Wie bitte? Ja, seine Bilanz beträgt in der Tat nur +13. Er ist zwar defensiv stark, aber das war nicht immer so. Die schwache Bilanz ist ein Überbleibsel aus alten Quebec Tagen. Dort spielte er in einem defensiv schwachen Team und hatte vor allem als junger Nachwuchsspieler große Defizite in der Defensivarbeit. Das änderte sich in Colorado. Sakic machte bereits mehrfach 50 Tore, ist einer der 5 besten Spielmacher der Liga und macht auch die Drecksarbeit. Zudem ist er stark am Bully und ein äußerst umgänglicher Typ, der immer mit gutem Beispiel voran geht. Sicher waren seine Stats letzte Saison eher schwach, aber das resultierte eher aus seinen formschwachen Mitspielern. Sehr hartes Körperspiel nimmt aber auch ihm den Wind aus den Segeln.

Mike Modano ist ein Vorzeigespieler US-amerikanischen Typs. Ein Allround Talent mit Spielübersicht, Defensivstärke, harter Arbeit und Torgefährlichkeit. Er machte 92 % aller möglichen Spiele. Dabei machte er 416 Tore in 946 Spielen. Seine Bilanz ist +103. Aber in einem defensiv starken Team wie den Dallas Stars, ist eine gute Bilanz nicht so ungewöhnlich. Aber auch Modano ist ein Spieler, den jeder Trainer gerne im Team hätte. Er ist sauber, ohne Allüren, arbeitet hart und gibt alles.

John LeClair machte nur 81 % aller möglichen Spiele. In 763 Spielen kam er dabei auf 341 Tore. Seine Bilanz ist +200. Er ist der typische Amerikaner. Er spielt mit Kraft und Wucht. Er arbeitet hart, im Angriffdrittel wie an der eigenen blauen Linie. Seine Rückenprobleme machen ihn allerdings mittlerweile zu einem Risiko. Letzte Saison bekam LeClair faktisch 9 Mio $ für 25 Tore in 82 Spielen. Für einen Torjäger recht wenig. Sicher, er machte zuvor 5mal in Folge mindestens 40 Tore. Aber da liegt eben das Risiko der Teams. Man weiß nie, ob ein Spieler sein Leistungslevel halten kann.

Alexei Yashin machte 95 % aller möglichen Spiele. Damit zählt er zu den Spielern mit den wenigsten Ausfällen. Aber der Russe ist eine Diva. Er macht Tore und ist ein klasse Spielmacher., Aber in entscheidenden Momenten hat er bisher stets versagt. Das gilt für seine Zeit in Ottawa als auch in New York. In 528 Spielen erzielte er bisher 250 Tore. Seine Bilanz ist aber -62. Er ist nicht der Typ, der Drecksarbeit übernimmt, sondern überlässt dies gerne anderen. Mit Härte ist er zu beeindrucken. Ausserdem fielt er in Ottawa sehr negativ auf mit seiner Arbeitsverweigerung. Yashin gilt allgemein als glänzender Spieler, mit dem man aber keinen Cup gewinnen kann. Aber er erhielt von den Islanders, die ja finanziell nicht gerade an der Spitze stehen, einen Vertrag über 10 Jahre und 90 Mio $.

Betrachtet man nun Bobby Holik und Bill Guerin, erscheinen ihre hochdotierten Verträge in einem etwas anderen Licht. Bill Guerin wurde von den Dallas Stars verpflichtet, um Tore zu machen. Er absolvierte bisher nur 85 % aller möglichen Spiele und erzeilte in 733 Spielen 256 Tore. Seine Bilanz ist +58. An der Seite von Joe Thornton machte er in Boston 41 Tore. Er kann also ohne weiteres an der Seite von Mike Modano 50 Tore erzielen. Damit hätte er sich für die Stars ausgezahlt. Und wenn ein Pavel Bure 10 Mio $ erhält um 50 Tore zu machen, warum soll ein Bill Guerin nicht 9 Mio $ kriegen, wenn er zudem noch körperliche Härte und Defensivarbeit mitbringt? Sicher, Guerin erzielte vor seiner Saison in Boston nie mehr als 30 Tore. Und einmal 41 Tore sind nicht gerade eine besonders gute Referenz. Aber man muss einen Spieler immer im Ganzen betrachten. Und Guerin bringt weit mehr mit als nur 41 Tore. Er arbeitet hart, spielt körperlich hart, ist ein guter Checker, geht auch keinem Faustkampf aus dem Weg. Er bringt Führungsqualitäten mit und ist einer der schnellsten Schlittschuhläufer der Liga.

Bobby HolikBobby Holik ist sicher von all den Großverdienern derjenige, der bisher die wenigsten Tore und Punkte machte. Aber wie bereits eingangs erwähnt, kann man einen Spieler nicht nur an seinen Punkten messen. Bobby Holik machte 93 % aller möglichen Spiele. In 878 Spielen erzielte er immerhin 240 Tore. Aber Holik wird nicht für seine Tore bezahlt, so wie Bure, sondern für seine Qualitäten als Defensivstürmer. Holik ist ein Typ, der jeden gegnerischen Star aus dem Spiel nehmen kann. 1995 war er es, der die Stars der Red Wings im Finale ausschaltete. Er spielte stets gegen Steve Yzerman oder Sergei Fedorov. Im Finale 2000 nahm er Mike Modano und Brett Hull aus dem Spiel. Im Conference Finale 2001 nahm er Jaromir Jagr und Mario Lemieux aus dem Spiel. Holik ist die Pest. Wenn er auf einen Spieler angesetzt wird, klebt er wie ein Schatten an ihm. Er ist ein sehr harter Checker und einer der besten Bullyspieler der Liga. Das macht ihn besonders wichtig in Unterzahl. Er ist ein Führungspieler und gibt kein Spiel auf, bevor es abgepfiffen wurde. Dabei kann er aber auch ein Spiel gestalten und Tore machen. Und wegen dieser vielen Fähigkeiten ist er so enorm wertvoll für sein Team. Und genau da liegt die Anwort. Die Rangers sind durchaus nicht verrückt einem Spieler wie Holik, der noch nie in seiner Karriere 30 Tore erzielte, 9 Mio $ zu zahlen. Denn sie haben erkannt, wie wertvoll er ist. Denn die beiden Stanley Cups der Devils waren zum großen Teil auch sein Verdienst. Keiner arbeitet härter als Holik. Und wenn man in der Lage ist, die Stars des Gegners auszuschalten, ist man auch in der Lage ein Spiel zu gewinnen. Und deshalb ist Holik die 9 Mio $ durchaus wert.

Fazit: Wenn man nun alles in allem betrachtet und Holik, wie Guerin, mit den anderen Großverdienern vergleicht, bin ich der Meinung, können sie das Geld durchaus wert sein. Das wird sich im Laufe der Saison zeigen und voraussichtlich in den Play Offs bestätigen.

 

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