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Ein Artikel von Jochen Derichs (Dr. Mastermind)
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September 2002 - Scotty Bowman ist der erfolgreichste Trainer in der Geschichte
des nordamerikanischen Profi Sports. In 30 Saison stand er bei 2141 Spielen
als Chef Trainer hinter der Bande. Dabei gewann er 1244 Spiele und verlor nur
583 bei 314 Remis. Insgesamt gewann er 9 Stanley Cups. Es gibt in der Geschichte
der NHL nur fünf Trainer, die mehr als 500 Siege holten. Wie wichtig aber
war Scotty Bowman für die Mannschaften die er führte und trainierte?
In seiner ersten Saison als Headcoach übernahm Scotty Bowman das Expansion Team der St. Louis Blues. Zunächst überredete er Dickie Moore, der bereits zwei Jahre zuvor seine Karriere beendet hatte, zum Comeback. Moore entwickelte sich schnell zum Leader der Blues und sorgte dafür, dass die Mannschaft alle taktischen Anweisungen des Trainers auf dem Eis befolgte. So schafften es die Blues in ihrem ersten Jahr bereits in die Play Offs. Aber das reichte Bowman noch nicht. Er brachte die Blues gleich bis ins Finale. Hier unterlagen sie erst den Montreal Canadiens in vier knappen Spielen. Ein Jahr später führte Bowman die Blues bereits zum Divisionstitel und erneut ins Finale. Hier unterlagen sie aber erneut den Montreal Canadiens. 1970 dann führte Bowman die Blues zum zweiten Divisionstitel und zum drittenmal in Folge ins Finale. Diesmal unterlagen sie aber den Boston Bruins. In seiner letzten Saison in St. Louis konnte er die starke Serie zwar nicht wiederholen, aber er hatte unglaublich viel erreicht in seinen ersten Jahren als Trainer, noch dazu mit einem Expansion Team. Bowman übernahm in der folgenden Saison das Amt des Trainers in Montreal. Die Blues stürzten darauf hin völlig ab. In den nächsten Jahren rutschten sie immer weiter in den Keller.
Als Bowman 1971 die Habs übernahm, erreichten sie unter ihm in der ersten Saison 108 Punkte. Damit machten sie ihre beste Saison seit Jahren. In Montreal hatte Bowman, im Gegensatz zu seiner zeit in St. Louis, eine der talentiertesten Mannschaften der Liga. Er aber holte das Maximum aus ihnen raus. In der zweiten Saison kamen die Habs mit 52 Siegen auf 120 Punkte, waren das punktbeste Team und holten den Stanley Cup. In den folgenden zwei Jahren fielen die Habs zwar zurück, aber dies war ein Problem, das viele Siegermannschaften schon erlebten. Die Motivation war nicht mehr groß genug. Es ist eben schwer, sich zu motivieren, wenn man das Ziel bereits erreicht hat. 1976 kamen die Canadiens dann mit 58 Siegen auf 127 Punkte. Im Finale schlugen sie die Philadelphia Flyers mit 4:0. Ein Jahr später kamen sie mit 60 Siegen auf 132 Punkte. Im Finale schlugen sie die Boston Bruins mit 4:0. Im folgenden Jahr kamen sie auf 129 Punkte und schlugen im Finale wieder die Boston Bruins mit 4:2. 1979 kamen sie zwar nur auf 115 Punkte, holten aber mit 4:1 gegen die New York Rangers den vierten Stanley Cup in Folge. Für Bowman war es bereits der fünfte Cup insgesamt. In der folgenden Saison übernahm Bowman die Buffalo Sabres. Die Habs standen fünf Jahre später am absoluten Tiefpunkt.
Als Scotty Bowman 1979 die Sabres übernahm, gehörten diese zu den Top Teams der Liga. In der letzten Saison vor Bowmans Übernahme kamen sie allerdings nur auf 88 Punkte und drohten abzustürzen. Mit ihm als Trainer kamen sie in der ersten Saison auf 110 Punkte. Im Conference Finale unterlagen die Sabres mit 4:2 den Islanders, die auf dem Vormarsch waren. Die Islanders gehörten zu den talentiertesten Teams jener Zeit. Die Sabres befanden sich im Umbruch. Bowmans Aufgabe war es, ein neues Team aufzubauen. In den nächsten Jahren rutschten die Sabres von 99 über 93 auf 89 Punkte ab. Stets schieden sie in der ersten oder zweiten Runde der Play Offs aus. 1984 kamen sie dann auf 48 Siege und 103 Punkte. Trotzdem scheiterten die Sabres erneut in der ersten Runde. Mit den Sabres schien es einfach nicht zu funktionieren. Schlimmer noch. In den nächsten Jahren rutschten sie von 90 über 80 auf 64 Punkte ab. In den beiden letzten Jahren konnten sich die Sabres nicht mal für die Play Offs qualifizieren. Der Erfolg blieb Bowman in Buffalo versagt. Nach seinem zwischenzeitigen Karrierende kamen die Sabres schnell wieder aus dem Keller der Liga hervor.
1992 übernahm Scotty Bowman nochmals das Amt des Trainers. Diesmal in Pittsburgh. Er übernahm die Penguins als Titelverteidiger, die zu jener Zeit eines der talentiertesten Teams der NHL waren. Zwar kam er in der Saison mit den Penguins nur auf 87 Punkte, aber in den Play Offs schafften sie es bis ins Finale. Hier schlugen sie Chicago mit 4:0. Im folgenden Jahr kamen die Penguins mit 56 Siegen auf 119 Punkte. Diesmal scheiterten sie jedoch bereits in der zweiten Runde. Bowman wechselte darauf nach Detroit. Die Penguins suchen seit dem verzweifelt nach einem Weg.
Die Red Wings hatten bei der Übernahme durch Bowman 1993 gerade eine lange und schwere zeit beendet. Mit Bowman kamen sie in der ersten Saison auf 100 Punkte. In den Play Offs kam das Aus aber schon in der ersten Runde. In der verkürzten Saison 1995 kamen die Red Wings auf 70 Punkte und waren damit die Nummer 1 der Liga. Das beste und talentierteste Team der NHL unterlag aber im Finale den Devils mit 0:4. In der folgenden Saison waren die Red Wings mit 131 Punkten erneut die Nummer 1 und halten seit dem noch immer den Punkterekord. Auch ihre 62 Siege sind bis heute Ligarekord. Im Conference Finale scheiterten sie dann aber an der Colorado Avalanche. Bowman feilte immer weiter an seiner Mannschaft. Und 1997 gelang ihm dann endlich der große Wurf mit den Red Wings. Im Finale schlugen sie die Philadelphia Flyers mit 4:0. Ein Jahr später gelang ihnen die Titelverteidigung mit einem 4:0 gegen Washington. 1999 scheiterten die Red Wings in der zweiten Runde an Colorado, im Jahr darauf ebenfalls. 2001 schieden sie sogar bereits in der ersten Runde aus. Erst 2002 gelang es Bowman die fehlenden Teile für die Siegermannschaft zu finden. Mit 4:1 schlugen sie am Ende die Carolina Hurricanes. Damit setzte er sich selbst ein Denkmal. Kein anderer Trainer holte bisher 9 Stanley Cups.
Scotty Bowman war ein Diktator. Er duldete keine Autorität neben sich. Er war ein Motivationsgenie. Er war ein begnadeter Stratege. Aber er war auch ein Erfinder. Immer wieder gelang es ihm Wege zu finden, die vorher noch keiner gegangen war. Zeitweise hatte er das Traineramt und den Posten des General Manager inne. Und auch wenn er nur als Trainer eingestellt war, ohne seine Zustimmung ging so gut wie nichts. E ging manchmal ungewöhnliche Wege. Aber sie führten irgendwann immer zum Ziel. Fast immer. In Buffalo gelang es ihm nicht, ein konkurrenzfähiges Team aufzubauen, obwohl er auch als GM tätig war. Wie wichtig Bowman für seine Teams war, läßt sich nicht ganz klar sagen. In Montreal, Pittsburgh und Detroit hatte er stets erstklassige Teams, als er sie übernahm. In St. Louis machte er sicher seine beste Arbeit, denn hier führte er ein Expansion Team dreimal in Folge ins Finale. Dabei waren die Blues nicht besonders talentiert. In Buffalo gelang ihm dieses Kunststück nicht. Im Gegenteil. Zweimal brachen die Sabres unter seiner Führung völlig ein und rutschten in den Keller der Liga. Als er die Habs, Penguins und Red Wings übernahm, zählten diese zu den Top Teams der Liga. Ebenso wie die Sabres. Und mit ihnen verbrachte er immerhin acht Jahre. Trotzdem gelang es ihm nicht, in Buffalo eine Siegermannschaft aufzubauen. Wie wichtig war er also? Wie wichtig war er für die Red Wings? Und können die Red Wings auch ohne Bowman den Cup holen?
