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Der Fan hat das Wort...

 

Fans und Freaks

Ein Artikel von Kent Walberg (Alter Schwede)

- September 2002 - Der Fan in Nordamerika ist eine ganz besondere Spezie. Diese Spezie muss man in mehrere Arten unterteilen. Die häufigste Art sind die "Fun Fans". Sie pilgern ab und zu in die örtliche Eishalle um sich bei einem Eishockeyspiel zu amüsieren. Nicht selten kommen sie mit ihrer ganzen Familie, oft ist das Spiel nur Nebensache. In den riesigen Hallen der NHL befinden sich Restaurants und Bars. Überall stehen und hängen TV Geräte. Überall findet man Videospiele. Man kann auch seine eigenen Fähigkeiten testen beim "Hardest Shot" oder beim "Goalie Game". Die Familien kommen schon recht früh und verbringen den ganzen Tag im Stadion. Sie gehen Essen, mach ein paar Spiele mit den Kindern, sehen sich dann das Spiel an, wobei Coke und Popcorn nicht fehlen dürfen. Alles ist wie ein Ausflug oder ein Besuch im Kino. Die zweite Art sind die "Busens Fans". Diese Gruppe dürfte wohl die Kleinste sein. Sie bevölkern die VIP Lounges, die in der Regel von Firmen gemietet werden, um mit Geschäftsfreunden in aller Ruhe und mit allen Annehmlichkeiten beim Eishockeyspiel übers Geschäft zu reden oder um nach Geschäftsabschluss einen drauf zu machen. Eine VIP Lounge kostet meistens etwa 100.000 $ für eine Saison. Sie befinden sich in der Regel ganz oben unterm Hallendach. Von hier aus hat man ein guten Überblick über das gesamte Stadion. Was auf der Eisfläche abgeht, kann man freilich nicht unbedingt gut sehen, da man sehr weit vom Eis entfernt ist. Die Lounge selbst ist ausgestattet mit allen erdenklichen Raffinesse. TV Geräte und Videoschirme zeigen das Spiel aus allen Blickwinkeln. Man verpasst nichts. Kein Tor, kein Foul, keine Wiederholung entgeht dem Zuschauer hier. Serviert werden Speisen vom Feinsten. Alkohol wird in Form von Whiskey oder Champagner serviert. Aber den Geschäftspartnern soll es schließlich an nichts fehlen. Die dritte Art sind die "Die Hard Fans". Sie gehen zu jedem Heimspiel. Sie tragen das Trikot ihres Teams und sind oft auch in den Mannschaftsfarben bemalt. Sie färben sogar ihre Haare in den Mannschaftsfarben. Sie sind Sammler und Jäger. Sie kaufen bei jedem Spiel ein Souvenir. Ein Trikot, ein Poster, einen Anstecker, einen Wimpel oder eine Fahne. Sie müssen immer etwas mitnehmen. Sie trinken viel, meistens Alkohol. Sie schreien und grölen. Manche bieten verrückte Tänze zur Schau. Sie tragen seltsame Hüte, die aussehen wie riesige Pucks oder wie der Stanley Cup. Das alles erinnert stark an Karneval. Sie sind völlig verrückt und stehen gerne in der ersten Reihe, damit sie auch ja jeden Bandencheck spüren. Sie pressen sich an die Plexieglasscheibe und brüllen die Spieler an. Sie schlagen und trommeln mit den Fäusten ans Glas um bei einer Schlägerei die Spieler anzufeuern. Die vierte Art sind die "Expert Fans". Sie sind eher sachlich, verstehen sehr viel von Eishockey und studieren das Spiel ganz genau. Sie analysieren und diskutieren vor, während und nach dem Spiel. Auch sie tragen meistens ein Trikot ihres Teams. In der Saison sind viele Fans noch sehr verhalten. Erst in den Playoffs wird es richtig ernst. Dann vermischen sich die einzelnen Arten oft und man kann sie kaum noch unterscheiden.

Die Art der "Fun Fans" findet man am häufigsten im Eishockey-Neuland der USA. In Florida, Tampa, Anaheim, San Jose, Phoenix oder Dallas, wo der eisige Sport eher untypisch ist und man Eis nur aus der Halle kennt, dort tummeln sich die "Fun Fans" zu Tausenden. In Los Angeles hat sich aufgrund der längeren Mitgliedschaft in der NHL so etwas wie eine Tradition entwickelt. Eine Ausnahme ist vielleicht auch noch St. Louis. Auch hier gibt es Eishockey schon etwas länger. Hier in St. Louis gibt es mitunter auch die verrücktesten Fans. "Business Fans" gibt es natürlich überall. Besonders aber in NewYork und Los Angeles. Auch "Die Hard Fans" findet man überall. Aber nirgends wird man verrücktere Fans finden als in St. Louis. Das muss mit der Lebensphilosopie der Menschen liegen. Besonders in St. Louis kann man sich angesichts der vielen bunten Menschen des Gedanken an den Karneval nicht erwehren. Die sachkundigsten Fans gibt es aber sicher in Toronto und Montreal. Hier hat man aber auch die älteste Tradition. Aber auch in New York, Boston, Chicago oder Detroit gibt es viele "Expert Fans". Auch hier gibt es sehr alte Traditionen, die bis in das Ende des 19. Jahrhunderts zurückreichen.

Sicher ist es nicht leicht für die Menschen in den sonnigen und immer warmen Staaten der USA eine Beziehung zum Eishockey aufzubauen. Es wird wohl noch eine Zeit lang dauern, bis der Sport aus dem Norden auch hier richtig Fuß befaßt hat. Anders ist es an der Ostküste der USA. Städte wie Buffalo, Detroit, Chicago, New York, Boston, Pittsburgh oder Washington kennen den Winter nur zu gut. Sie kennen Schneestürme, Eishagel und zugefrorene Seen. Hier entstanden schon früh erste Eishockey Clubs. Und so entstanden auch Traditionen und Rivalitäten. Hier genießt Eishockey einen ähnlichen Stellenwert wie in Kanada.

Aufgrund der großen Entfernungen und der vielen Spiele hat sich die Kultur, besonders bei den NHL Teams, ganz anders entwickelt als in Europa. Bei bis zu 4 Heimspielen innerhalb einer Woche ist es kaum möglich zu allen Spielen zu gehen. Vor allem auch die unglaublich hohen Eintrittspreise machen dies fast unmöglich. Reisen zu Auswärtsspielen sind ebenfalls kaum machbar. Zum einen sind die Entfernungen zu groß, zum anderen gibt es einfach keine Tickets, da viele Stadien immer ausverkauft sind. Und wer kann es sich schon leisten, mal eben von Boston nach Anaheim zu fliegen, um sich ein Spiel anzusehen? Allerdings ist die TV Präsenz der NHL recht gut. Viele Spiele werden überregional übertragen. Lokalsender übertragen sogar alle Spiele.

Die Promotion Arbeit in Nordamerika, besonders in den USA, ist beispielhaft. Alles wird genau geplant. Nichts wird dem Zufall überlassen. Und die NHL selbst hat stets das letzte Wort. Der Verkauf von Fanartikeln ist ein großer Einnahmezweig. Jeder Fan der ein Eishockeyspiel besucht kauft irgend einen Fanartikel. In Europa kaufen die Fans pro Saison vielleicht ein neues Trikot und bei besonderen Anlässen (Meisterschaft, Saisonbeginn) vielleicht noch ein weiteres Souvenir. Anders in den USA. Dort kaufen die Fans bei jeder Gelegenheit etwas. Selbst die Expansion Teams machen eine großen Umsatz durch Fanartikel. Der ist bei den immens hohen Spielergehältern allerdings auch dringend nötig.

Die treuesten Fans sind wohl die "Die Hard Fans" und die "Expert Fans". Sie leiden mit ihrem Team wenn sie verlieren und feiern mit ihnen, wenn sie gewinnen. Sie verfolgen jedes Spiel, sei es in der Halle oder am Bildschirm/Radio. Sie sind wohl eher vergleichbar mit den typischen Fans in Europa.

 

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