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Ein Familienausflug ins Stapels Center
Ein Artikel von Torsten Giersch
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Juli 2003 - Der Grund dafür, dass ich einen Einblick in die NHL erhielt,
war mein Desinteresse für das Fach Englisch. Meine Noten waren ziemlich
schlecht und mein Vertrauenslehrer schlug vor, ein Highschoolyear in den USA
zu machen. Da man im Schüleraustauschprogramm keinen Einfluss auf den Aufenthaltsort
hat, wurde ich nach Rosa Park/CA (25 km von Los Angeles entfernt) geschickt.
Eigentlich wollte ich ja nach Pittsburgh, weil die Penguins mein Lieblingsteam
sind, aber Kalifornien war natürlich auch geil. Ich kam in eine sportbegeisterte
Gastfamilie, bei der die beiden Söhne in einem Junioreishockeyteam spielten,
den California Sea Eagles. Mein Gastvater schlug mir vor, einmal ein NHL-Spiel
zu besuchen. Er besorgte Karten für die ganze Familie und im Dezember war
es dann soweit. Wir sahen uns das Spiel der L.A. Kings gegen die Dallas Stars
an. Wir machten uns also auf den Weg zum Staples Center. Ich staunte nicht schlecht
als ich sah, wie viel Drumherum gemacht wird für ein Spiel der Regular-Season.
Als wir in die Arena gingen, kam gleich die zweite Überraschung, im Innern
sah sie eher aus wie ein riesiger Vergnügungspark. Unzählige Essensstände,
Fanshops und Riesenfotos der Spieler an den Wänden, überwiegend schien
es mir als ob das Spiel eine Familienattraktion sei. Eltern mit ihren Kindern,
daneben die Großeltern, machten sich einen netten Familienausflug daraus.
Nur vereinzelt sah ich echte Hockeyfans mit Trikot, Schal, Ge- sichtsbemalung...,
die sich hinter den Toren versammelten. Wir nahmen im Unterrang platz. Das Stadion
war nicht ganz ausverkauft und es mochte nicht so richtig Stimmung aufkommen.
Das aufregenste war noch die Eismaschine die unten umher fuhr. Beim Aufwärmen
der beiden Teams wurde es dann zum erstenmal richtig laut, aber nach knapp 10
Minuten verschwanden die Puckkünstler wieder in den Katakomben. Ein letztes
mal holte der Vater Popcorn und Cola für die Familie,
bevor
es losging. In den VIP-Boxen im Oberrang saßen Geschäftsleute die
das Geschehen auf den Eis sogut wie gar nicht interessierte, ihre Geschäfte
umso mehr. Punkt 19.30 Uhr gingen dann die ganzen Lichter aus und Rockmusik
ertönte. Die Hockeyfans machten Stimmung. Der Stadionsprecher kündigte
das Spiel und einzeln alle Kingsspieler an, bei den Stars ging er in den Buhrufen
unter. Die Spieler fuhren an die Bande und klopften mit den Stöcken dagegen.
Besonders die Zuschauer in den vordersten Reihen bekamen dies zu spüren,
wir saßen in Reihe sieben. Die Starting-Five machte sich bereit zum Face-off.
Die Atmosphäre sank wieder knapp über den Nullpunkt. Ein NHL-Spiel
ist mit einem der DEL nicht zu vergleichen. Die deutschen Fans sind klar die
besseren Stimmungsmacher. Am lautesten konnte man das Kratzen der Schlittschuhkufen
auf dem Eis und die vielen Bandenchecks hören. Im ersten Drittel ging es
gleich richtig zur Sache und Mike Modano gelang im Powerplay die Führung
für Dallas. Nach gut 45 Minuten war Drittelpause. In dieser konnte ich
mich ein bisschen in der Halle umsehen. Im Hallendach hingen das Trikot von
Wayne Gretzky und noch zwei weitere. Auf den riesigen Videowürfel wurden
die Zwischenergebnisse der anderen Matches angezeigt, unteranderem Pittsburghs
2:0-Führung gegen Nashville, was mich sehr erfreute. Im zweiten Abschnitt
ging es dann Schlag auf Schlag. In einer nun offen Partie fielen insgesamt drei
Tore zum 3:1 Zwischenstand für Dallas. Modano und Guerin sowie Palffy konnten
sich in die Torschützen- liste eintragen. Das letzte Drittel war geprägt
von Krampf und Kampf. Es gab eine Schlägerei bei der die Fans endlich wach
zu werden schienen. Von jetzt an machte L.A. Druck und zwei Minuten vor Schluss
gelang Palffy sein zweites Tor nachdem der Kings-Goalie vom Eis ging. Doch Derian
Hatcher gelang mit einem Befreiungsschlag aus der eigenen Zone heraus das 4:2,
so lautete auch der Endstand. Die Sirene entriss mich aus meinen Traumen selbst
einmal auf den Eis zu stehen, das Staples Center leerte sich rasch und der Stadionsprecher
verabschiedete sich mit einen "Good Night, Hockeyfans and a good journey
home." Auch die Spieler verschwanden nach dem Shakehands von der Eisfläche
und somit ging der Tag zu Ende.
Fazit: Eishockey ist in den Staaten mehr als nur Sport, es ist ein Erlebnis für die ganze Familie, besonders in den untypischen Hockeygebieten wie Kalifornien und den anderen Südstaaten. Es ist mit dem Eishockey in Kanada nicht zu vergleichen. Es ist aber trotzdem entfehlenswert sich ein NHL-Spiel anzusehen, allerdings ist es schweineteuer und kommerziell ausgerichtet.
