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Ein Artikel von Patrick Königs (Ordinary Joe)
- September 2002 - Bryan Berard wurde als Nr. 1 beim Draft 1995 gezogen. Er wurde als bester Rookie mit der Calder Trophy ausgezeichnet. Dann traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Es geschah am 11. März 2000 in einem Spiel gegen die Ottawa Senators. Toronto's Verteidiger Bryan Berad wurde von Marian Hossa's Stock so unglücklich am Auge getroffen, dass die Iris zertrennt und der Augapfel dabei zerstört wurde. Blutüberströmt lag Berard am Boden, krümmte sich vor Schmerzen. In einer schweren Notoperation konnte man zwar das Auge retten, aber praktisch ist er auf dem Auge blind. Als man ihm später offenbarte, dass er um ein Haar sein Auge verloren hätte und seine Sehkraft fast gleich Null sei, war er zunächst sehr niedergeschlagen. Als einige Spieler der Maple Leafs ihn im Krankenhaus kurz darauf besuchten, sagte er, um das unangenehme Schweigen zu brechen: "Jungs, ich werde wieder spielen!" Was damals niemand ernst nahm, trat etwas über ein Jahr später ein.
Selbst mit spezieller Linse beträgt seine Sicht auf dem verletzten Auge nur 20/400. Eine Regel der NHL besagt, dass ein Spieler ein gewisses Sehfeld auf beiden Augen haben muss. Nur nach einigen Tests und langen Gesprächen mit Ärzten und Verantwortlichen der Liga, willigte man ein, Berad wieder in der NHL spielen zu lassen. Und die Rangers gaben ihm eine Chance sich zu beweisen. Am Ende der Saison waren seine Statistiken zwar nicht die besten, aber in Anbetracht der Umstände, dass er ein Jahr pausieren musste und sein Sehfeld stark eingeschränkt ist, machte er eine gute Saison. Er beendete die Saison mit 2 Toren und 23 Punkten in 82 Spielen. Nicht sehr viel für einen Offensivverteidiger. Aber man kann davon ausgehen, dass er sich steigern wird. Denn Berad ist willensstark und bereit hart zu arbeiten. Vor allem aber ist er bereit Opfer zu bringen für den Sport den er über alles liebt.
Nach
seiner schweren Verletzung erhielt er von der Versicherung 6,5 Mio $, dafür
dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Diese Summe muss er nun an die
Versicherung zurück zahlen, da er seinen Beruf wieder ausübt. Berard ist noch
sehr jung und hatte eine vielversprechende Karriere vor sich. Er galt als riesen
Talent und man erwartete von ihm irgendwann die Nachfolge von Brian
Leetch. Die Rückkehr in die NHL kostete ihn viel Geld. Bei den Rangers verdiente
er etwa 2 Mio $. Bei den Boston Bruins, wo er gerade einen Vertrag für ein Jahr
unterzeichnete, wird er 850.000 $ verdienen. Man kann Berard also nur viel Glück
und eine gute Saison wünschen, damit er auch nach der kommenden Saison einen
Vertrag erhält.
Warum lässt sich ein Spieler auf ein solches Wagnis ein und riskiert seine finanzielle Absicherung, um wieder auf dem Eis zu stehen? Für einen Aussenstehenden ist das nur schwer zu verstehen. Wenn man aber die Geschichte dieses Spielers kennt, kann man es vieleicht nachvollziehen.
Jungs aus Woonsocket spielen entweder Hockey in der berühmten Mount St. Charles Academy oder suchen sich einen Job in der Service Industrie der Umgebung. Berard zählte zu den "Glückspilzen". Die Mount St. Charles Academy produzierte Talente wie Brian Lawton, Mathieu Schneider, Keith Carney, Garth Snow, Brian Boucher und Jeff Jillson. Bryan Berard war vielleicht der talentierteste Spieler der Akademie. Er war tätowiert, trug lange Haare und hatte den "Tool cool for you" Ruf. Sein Foto hing an der Wand einer Bar in der Nähe, gleich neben Bobby Orr und Johny Bucyk. Aber in der Umkleidekabine war er nur ein Spieler wie jeder andere. Vernachlässigte er sein "Backchecking" blieb er auf der Bank. Ließ er ein Stück Tape auf dem Boden der Umkleideräume liegen, durfte er sich den nächsten Monat auf der Trbüne umziehen. Coach Belisle behandelte alle gleich. Es gab keine Sonderbehandlungen für "Stars". Er legte Wert auf Disziplin. So brachte er es mit den "Mounties" immerhin auf 25 State Titel in Folge und war damit der erfolgreichste Nachwuchstrainer aller Zeiten.
Berard brauchte anfangs diese Disziplin nicht. Er war talentiert genug. Bei den Islanders wurde er als bester Rookie mit der Calder Trophy ausgezeichnet, nach einem Sommer mit Fritten und Bier. Er wurde in den Olympia Kader berufen, wegen seines Talents, nicht aufgrund von Empfelungen. Was also sollte ihm schon passieren??
All das änderte sich auf einen Schlag, als er vom Schicksal getroffen wurde. Seine Karriere schien beendet. Sein Leben schien beendet. Aber irgendwas passierte dabei mit ihm. Er veränderte sich. Er wurde ruhiger. Seine Persönlichkeit festigte sich. Er wollte wieder spielen. Er wollte es, denn er liebte es. Und er fand Halt und Bekräftigung durch Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlebt hatten. Menschen, die ihr Leben neu ordnen mussten, um zu überleben. Menschen die alles verloren hatten und von vorne anfangen mussten.
Berard gab seine Versichergsumme auf um für die Rangers zu spielen. Er kehrte an seine alte Schule zurück, um seinem alten Trainer bei der 25. Meisterfeier zu helfen. Er wählte Boston und nicht Colorado als seine nächste Station. Bryan Berad kehrte zurück nach Hause. Er kehrte zurück zu seinen Wurzeln, zu seinen Freunden, nach Rhode Island. Er besitzt eine Liebe zu seinem Sport, wie nur wenige Sportler.
Vielleicht kann man es nun verstehen.
