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Ein Artikel von Jochen Derichs (Dr. Mastermind)
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September 2002 - Es gibt Reiche und es gibt Arme. Das ist so in Deutschland,
in den USA und auch in der NHL. Die reichen Teams geben das Geld mit vollen
Händen aus, die finanziell instabilen Teams sind teilweise hoch verschuldet,
können ihre Stars nicht halten und keine großen Namen verpflichten.
Damit sind sie nicht konkurrenzfähig. Dabei ist das Budget dieser Teams
um mehr als 50 % geringer als beispielsweise das der Red Wings. Jüngste
Beispiele sind die Buffalo Sabres und die Pittsburgh Penguins.
Nach dem Skandal des Milliarden Betrug von Sabres Besitzer John Rigas,
rückte die NHL erneut in ein schlechtes Licht. Mehrere Interessenten bieten
nun für die Franchise der Sabres. Ob das Team in Buffalo bleibt ist noch
unklar. Ähnlich ist es in Pittsburgh. Mario
Lemieux, Superstar der NHL und Topscorer der Penguins, kaufte das Team kurzerhand
selbst, als es vor dem Ruin stand. Er versucht alles, um das Team am Leben und
in Pittsburgh zu halten. Aber immer wieder werden ihm neue Steine in den Weg
gelegt. Verantwortliche und angesehene Bürger der Stadt Pittsburgh fallen
ihm teilweise sogar in den Rücken. Selbst vor dummen Äußerungen
wie, Lemieux solle doch selbst das Geld zahlen, er habe doch genug oder er solle
doch einfach seine reichen Freunde aus Kanada um Hilfe bitten, schrecken diese
"angesehen Bürger" in der Öffentlichkeit nicht zurück.
Und das alles nur, weil man das Geld, welches für den Verbleib der Penguins
in Pittsburgh dringend nötig wäre, nicht aufbringen will. Man steckt
es lieber in ein neues Stadion für das Football Team oder in diverse Kunsteinrichtungen.
Die Calgaray Flames, Ottawa Senators oder Edmonton Oilers stehen seit Jahren vor dem Aus. Immer wieder kommt die Frage auf: Verkauf und Umzug? Aber noch können sich die Teams halten. Jetzt haben die Tampa Bay Lightning bekannt gegeben, dass sie in der vergangenen Saison etwa 21 Mio $ Verlust gemacht haben. Dabei sind sie vom Budget her, ziemlich weit am Ende der Liga, haben also eigentlich nicht so hohe Ausgaben. Unter 30 Mio $ lag ihr Budget letzte Saison. Die Red Wings gaben über 67 Mio $ aus. Dass dabei die Chancengleichheit gleich Null ist, dürfte klar sein. Aber dieses Problem tritt natürlich nicht nur in der NHL auf. Alle Profi Ligen auf der ganzen Welt kämpfen mit dem gleichen Problem. Aber in der NHL werden Teams schnell verkauft. Bereits über 20 Teams wurden im Laufe der Geschichte der Liga schon verkauft, gekauft und wieder verkauft.
Wer entscheidet aber nun, ob und wann ein Team verkauft wird? Nun, zunächst einmal wird ein Team nicht verkauft, solange der Besitzer bereit ist, trotz hoher und regemäßiger Verluste, Geld in das Team zu investieren. Erst wenn ein Besitzer sein Team nicht mehr unterhalten kann, seine Spieler nicht bezahlen kann, oder, einfach kein Interesse mehr an dem Team besteht, wird eine Franchise verkauft. Die Entscheidung ein Team zu verkaufen liegt also ganz klar beim Besitzer. Dabei spielt es absolut keine Rolle, ob es sich um ein Expansionsteam oder um ein Traditionsteam handelt. Wenn ein Team, oder vielmehr der Besitzer, zahlungunfähig ist, gibt es irgendwann keine andere Möglichkeit mehr als die Franchise zu verkaufen. Alles weitere liegt allerdings nicht in der Hand des Besitzers.
An wen die Franchise verkauft wird, entscheidet die NHL. Alle Interessenten und Angebote werden genaustens überprüft. Dabei wird zunächst versucht, einen Käufer zu finden, der das Team am aktuellen Standort belässt. So gibt es die wenigsten Probleme. Der Fanstamm bleibt erhalten, die Tradition kann sich weiterentwickeln. Im Prinzip ändert sich gar nichts, nur das Geld kommt aus einer anderen Quelle. Problematischer wird es, wenn ein Team nach dem Verkauf umzieht in eine andere Stadt. Dabei achtet die NHL sehr genau darauf, dass der neue Standort einen hohen TV Marktanteil hat. Bevorzugt werden hier Städte, die eine hohe Einwohnerzahl haben und im näheren Einzugsgebiet keine zu große Konkurrenz haben. Man will den Teams am neuen Standort damit die bestmöglichen Voraussetzungen geben. Kaum eine Chance auf eine Franchise haben dabei Städte an der Ostküste, da hier die Dichte an NHL Teams bereits enorm hoch ist. Bevorzugt werden Städte im Westen, im Mittelwesten oder im Süden der USA. Eine kanadische Stadt dürfte es ebenfalls sehr schwer haben eine Franchise zu erhlten, da gerade die kanadischen Teams alle vor großen finanziellen Problemen stehen. Ein weiteres Team in Kanada hätte wohl von Beginn an mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Zu hohe Steuern, schwacher kanadischer Dollar und fehlende Unterstützung von staatlicher Seite machen es nämlich ausgerechnet im Mutterland des Eishockey immer schwerer ein Team zu unterhalten. Als potentielle Standorte kommen zunächst Houston, Portland, Seattle und Kansas City in Frage. Diese Städte erfüllen nach Meinung der Ligaführung alle Voraussetzungen für eine Franchise der NHL.
Wie
lange werden sich die Tampa Bay Lightning noch halten können? Allen
Verlusten und Miserfolgen zum Trotz, haben die Lightning einen recht guten Standort.
Die Konkurrenz ist nicht sehr groß, mit den Panthers gibt es einen Lokalrivalen,
der ähnlich schwach ist und der TV Markt ist groß. Und so lange der
Besitzer der Lightning Geld investiert in sein Team, wird es wohl keine Verlegung
der Franchise geben. Anders sieht es z.B. mit den Calgary Flames aus.
Die in Kanada beheimatete Franchise kam aus Atlanta nach Calgary. Man gewann
bereits einen Stanley Cup und brachte viele große Stars hervor. Aber seit
Jahren verlassen die Stars das Team, um bei anderen Teams mehr Geld zu verdienen.
Aktuell ist Jarome
Iginla der Star der Flames, aber auch bei ihm ist noch nicht sicher, ober
er in der kommenden Saison noch für die Flames spielen wird. Wieder einaml
sind finanzielle Uneinigkeiten der Grund. Sollte Iginla deshalb in einem Trade
zu einem anderen Team abgegeben werden, würden die Flames damit erneut
einen Star verlieren und somit auch an Attraktivität für die Fans.
Das wiederum bedeutet noch weniger Einnahmen und noch größere finanzielle
Probleme. Logische Folge wäre letztendlich ein Verkauf der Franchise in
die USA.
Anders als bei US amerikanischen Teams, wo sich meistens ein Käufer findet, der das Team dort lässt wo es ist, werden Teams aus Kanada eher in die USA verkauft, da dort die finanziellen Bedingunegen und die Unterstützung von staatlicher Seite wesentlich besser sind. So geschah es in den letzten Jahren mit den Winnipeg Jets (Phoenix) und den Quebec Nordiques (Colorado). Ein Team in Kanada bezahlt mehr als dreimal so viel Steuern wie ein Team in den USA. Das allein ist schon ein großer Vorteil für die US Teams. Dazu kommt, dass die Spielergehälter in Kanada ebenfalls in US Dollar bezahlt werde müssen, die Einahmen aber in kanadischen Dollar gemacht werden. Dadurch ensteht ein großer Verlust. Nicht zuletzt ist auch die finanziele Unterstützung eines US Team seitens des Staates bzw. der Sadt, erheblich besser. US Teams erhalten Zuschüsse bei Stadienbau, beim Bau von Zufahrtswegen, Parplätzen und ähnlichen Einrichtungen. Ein Expansionsteam erhält sogar für eine gewisse Zeit steuerliche Vergünstigungen. Es ist also durchaus nachvollziehbar, warum Teams in den USA erfolgreicher sind und Teams aus Kanada eher in die USA verkauft werden. Dabei kann man keineswegs den USA einen Vorwurf machen, denn sie verhalten sich eher vorbildlich in dieser Beziehung. Viel mehr muss man der kanadichen Regierung einen Vorwurf machen, dass sie zu wenig tun, um als Mutterland des Eishockey, auch in Zukunft den NHL Teams optimale Bedingungen zu bieten.
