Interview

Uwe Krupp, Verteidiger der Detroit Red Wings, im Interview

Das Comeback von "KING KONG"

(Wir danken ausdrücklich der Zeitschrift Eishockey Live, die uns erlaubt, dieses Interview bei uns zu publizieren. Unser besonderer Dank gilt Patrick Bernecker. Dieses Interview stammt aus der Ausgabe - Eishockey live- 11/2001 Seite 64/65)

Uwe Krupp erblickte am 24. Juni 1965 in Köln das Licht der Welt. Nachdem er beim Kölner Eishockeyclub (KEC) alle Mannschaften durchlaufen hatte, lief er das erste Mal in der Saison 82/83 für die erste Mannschaft, die Kölner Haie auf. Am 26.10.1986 absolvierte er zwei Stunden nach dem Erhalt der Spielgenehmigung sein erstes NHL-Spiel für die Buffalo Sabres. Auf Buffalo folgten die New York Islanders, Quebec Nordiques, Colorado Avalanche und schließlich die Detroit Red Wings. Mit Colorado gelang ihm als erstem Deutschen das Kunststück den Stanley Cup zu gewinnen. Er schoss auch noch den Siegtreffer im entscheidenden siebten Finalspiel in der dritten Verlängerung gegen die Florida Panthers. Ein Traum wurde wahr, der am 23.10.1998 im 22. Spiel für Detroit zunächst zerplatzen sollte. In der "Bibel" der NHL, dem "Official Guide and Record Book" wird Uwe schon als "Ehemaliger" geführt (seine vorerst letzte NHL Saison war 1998/99). Doch dann kam die Saison 2001/02 Plötzlich trainierte Krupp wieder bei den Red Wings mit. Allerdings verpasste er den Saisonstart aufgrund einer Verletzung. Mit Erscheinen dieser Ausgabe von EISHOCKEY live wird Krupp aber wieder das Dress des Klubs anhaben. Ivo Jaschick interviewte "King Kong" (so sein Spitzname) in Vancouver."KING KONG" bei den Red Wings

  Uwe Krupp, wie geht es ihnen? Hier beim Training hatte ich den Eindruck, als würden Sie keinem Zweikampf aus dem Weg gehen. Nein, auf gar keinen Fall. Mein Rücken fühlt sich relativ gut an. Er war ja auch eigentlich nicht das Problem. Mein Problem war vielmehr ein Nerv, der beschädigt war. Man könnte es auch so ausdrucken: Das Haus, also mein Rücken, war in Ordnung, nur eine Leitung, also ein Nerv, war defekt - und dies wiederum wirkte sich verheerend auf meinen Fuß, mein Fußgelenk und mein linkes Bein aus. Sie haben nicht so reagiert wie ich wollte. Die Reflexe in meinem linken Bein sind immer noch nicht voll da, aber für das Schlittschuhlaufen und Eishockeyspielen reicht es. 
Also keine Probleme?
Nein, wirklich - ich habe keinerlei Probleme was das Eishockey betrifft.
Hatten Sie damit gerechnet, jemals wieder auf Schlittschuhen zu stehen, geschweige denn wieder bei den Red Wings in der NHL zu spielen?Nein, wirklich nicht. Die Ärzte des Teams und auch der Rückenspezialist, der mich 1997 operiert hat, haben übereinstimmend gesagt, dass es in diesem Fall keine operative Lösung gibt. Mit anderen Worten ausgedrückt: Bei einigen Leuten mit diesen Nervschaden tritt nie eine Besserung ein, bei anderen nach zehn Jahren, bei anderen
- mir - nach zwei Jahren. Wer weiß das schon? Ich hatte das Glück, dass der Nerv sich bei mir schon sehr schnell -trotzdem immerhin zwei Jahre -anfing zu regenerieren. Es war wirklich nur ein Zufall, dass ich jetzt noch Eishockey spielen kann. Auerdem hatte ich auch den groBen Vorteil hier noch einen Vertrag zu haben, den ich nun doch erfüllen kann, Aber ehrlich gesagt: Gerechnet hatte ich nicht damit. Im den Jahr war überhaupt nicht daran zu denken, im zweiten war auch noch sehr unwahrscheinlich, aber im vergangenen Jahr und Sommer stellten sich groBe Verbesserungen ein, als ich das Bein und das Fußgelenk durch gezielte Ubungen stärken wollte. Dies war für mich das Zeichen, dass sich da etwas sehr Positives tut. Es war für mich wirklich eine unendlich lange Zeit. Jetzt hoffe ich, dass der Rest auch noch zurückkommt, sich der Nerv also ganz erholt oder erneuert.
Nach Mario Lemieux und Michael Jordan (Basketball) steht mit ihnen nun schon der dritte große Spieler vor einem Comeback.
(lachend) Mit diesen Sportgrößen in einem Atemzug genannt zu werden ehrt mich, doch mal im Ernst: Ich gehe davon aus, dass professionelle Sportler heutzutage viel besser auf sich aufpassen als früher. Sagen wir mal vor 15 Jahren, also 1986, war für einen Spieler mit 33 Jahren die Karriere praktisch vorbei. Heute werden wir Spieler alle viel besser medizinisch und ernährungswissenschaftlich versorgt und betreut, so das etwa Igor Larionow mit seinen bald 42 Jahren und Chris Chelios mit seinen bald 40 Jahren in der NHL noch gut mithalten können. Dies waren jetzt nur zwei Beispiele aus Detroit.
Wie sehen Sie ihre Chancen und die der Red Wings in diesem Jahr?
Zunächst habe ich mich im letzten Vorbereitungsspiel gegen die Blackhawks an der Schulter verletzt. Das war auch der Grund, warum ich beim ersten Spiel in San Jose (4:3 n.V.) und den folgenden nicht gespielt habe. Aber wie Sie gesehen haben, trainiere ich schon wieder voll mit. Bald werde ich wieder dabei sein. Zum zweiten Teil Ihrer Frage kann ich nur sagen: Schauen Sie sich unsere Mannschaft an. Unsere bereits gute Mannschaft des zurückliegenden Jahres wurde noch durch erstklassige Spieler ergänzt: Dominik Hasek oder Brett Hull.
Jetzt wechseln wir mal auf den ,,Alten Kontinent". Was sagen Sie zu der deutschen Nationalmannschaft?
Noch habe ich mich mit dem Thema ,,Deutsche Nationalmannschaft" nicht beschäftigt, da es bei mir nicht klar war, ob ich das Trainingscamp schaffe. Ich wollte nicht für groBe Schlagzeilen a la ,,Uwe Krupp ist zurück" sorgen und dann schaffe ich das Camp nicht. Aber wenn alles gut verläuft, wäre ich gerne wieder dabei. Die Olympischen Spiele sind natürlich sehr reizvoll und dann auch noch hier bei uns in Amerika - also, mein Interesse wäre schon riesig! Bei den vergangenen Spielen in Nagano (Japan) kamen wir, Olaf Kölzig und ich, erst an, als das Team schon draußen war. Die Olympischen Spiele von Anfang an mitzuerleben, dass wäre schon toll.
Kennen Sie eigentlich noch Spieler aus der Nationalmannschaft?
Klar, einige mit denen ich in Nagano gespielt habe, Mirko Lüdemann, Jörg Mayr, Jürgen Rumrich, Peppi Heiß - aber der spielt ja nicht mehr. Es sind halt sehr viele neue und junge Spieler da. Natürlich kenne ich noch die anderen NHL-Spieler wie Marco Sturm, Olaf Kölzig, Sascha Goc aber auch Jan Benda. Ja, den Trainer, Hans Zach, kenne ich natürlich auch.
Was sagen Sie zu der wachsenden deutschen Fraktion in der NHL?
Das ist schon eine tolle Sache. Als ich 1986 hierher kam, ging Uli Hiemer gerade wieder zurück, und ich war der einzige Deutsche bis Marco Sturm kam. Also war ich zehn Jahre lang so eine Art Einzelkämpfer. Aber es ist auch toll, man sieht, dass das deutsche Hockey mehr Beachtung findet, mehr Scouts durch deutsche Arenen wandeln und damit auch mehr Talente entdecken.

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