Uwe Krupp erblickte am 24. Juni 1965 in Köln das Licht der Welt. Nachdem
er beim Kölner Eishockeyclub (KEC) alle Mannschaften durchlaufen hatte, lief
er das erste Mal in der Saison 82/83 für die erste Mannschaft, die Kölner
Haie auf. Am 26.10.1986 absolvierte er zwei Stunden nach dem Erhalt der Spielgenehmigung
sein erstes NHL-Spiel für die Buffalo Sabres. Auf Buffalo folgten die New York
Islanders, Quebec Nordiques, Colorado Avalanche und schließlich die Detroit
Red Wings. Mit Colorado gelang ihm als erstem Deutschen das Kunststück den Stanley
Cup zu gewinnen. Er schoss auch noch den Siegtreffer im entscheidenden siebten
Finalspiel in der dritten Verlängerung gegen die Florida Panthers. Ein Traum
wurde wahr, der am 23.10.1998 im 22. Spiel für Detroit zunächst zerplatzen sollte.
In der "Bibel" der NHL, dem "Official Guide and Record Book" wird Uwe schon
als "Ehemaliger" geführt (seine vorerst letzte NHL Saison war 1998/99). Doch
dann kam die Saison 2001/02 Plötzlich trainierte Krupp wieder bei den Red Wings
mit. Allerdings verpasste er den Saisonstart aufgrund einer Verletzung. Mit
Erscheinen dieser Ausgabe von EISHOCKEY live wird Krupp aber wieder das
Dress des Klubs anhaben. Ivo Jaschick interviewte "King Kong" (so sein
Spitzname) in Vancouver.
Uwe Krupp, wie geht es ihnen? Hier beim Training hatte ich den Eindruck,
als würden Sie keinem Zweikampf aus dem Weg gehen. Nein, auf gar keinen
Fall. Mein Rücken fühlt sich relativ gut an. Er war ja auch eigentlich nicht
das Problem. Mein Problem war vielmehr ein Nerv, der beschädigt war. Man könnte
es auch so ausdrucken: Das Haus, also mein Rücken, war in Ordnung, nur eine
Leitung, also ein Nerv, war defekt - und dies wiederum wirkte sich verheerend
auf meinen Fuß, mein Fußgelenk und mein linkes Bein aus. Sie haben nicht so
reagiert wie ich wollte. Die Reflexe in meinem linken Bein sind immer noch nicht
voll da, aber für das Schlittschuhlaufen und Eishockeyspielen reicht es.
Also keine Probleme? Nein, wirklich - ich habe keinerlei Probleme was das
Eishockey betrifft.
Hatten Sie damit gerechnet, jemals wieder auf Schlittschuhen zu stehen, geschweige
denn wieder bei den Red Wings in der NHL zu spielen?Nein, wirklich nicht.
Die Ärzte des Teams und auch der Rückenspezialist, der mich 1997 operiert hat,
haben übereinstimmend gesagt, dass es in diesem Fall keine operative Lösung
gibt. Mit anderen Worten ausgedrückt: Bei einigen Leuten mit diesen Nervschaden
tritt nie eine Besserung ein, bei anderen nach zehn Jahren, bei anderen
- mir - nach zwei Jahren. Wer weiß das schon? Ich hatte das Glück,
dass der Nerv sich bei mir schon sehr schnell -trotzdem immerhin zwei Jahre
-anfing zu regenerieren. Es war wirklich nur ein Zufall, dass ich jetzt noch
Eishockey spielen kann. Auerdem hatte ich auch den groBen Vorteil hier noch
einen Vertrag zu haben, den ich nun doch erfüllen kann, Aber ehrlich gesagt:
Gerechnet hatte ich nicht damit. Im den Jahr war überhaupt nicht daran
zu denken, im zweiten war auch noch sehr unwahrscheinlich, aber im vergangenen
Jahr und Sommer stellten sich groBe Verbesserungen ein, als ich das Bein und
das Fußgelenk durch gezielte Ubungen stärken wollte. Dies war für
mich das Zeichen, dass sich da etwas sehr Positives tut. Es war für mich
wirklich eine unendlich lange Zeit. Jetzt hoffe ich, dass der Rest auch noch
zurückkommt, sich der Nerv also ganz erholt oder erneuert.
Nach Mario Lemieux und Michael Jordan (Basketball) steht mit ihnen nun schon
der dritte große Spieler vor einem Comeback.
(lachend) Mit diesen Sportgrößen in einem Atemzug genannt zu werden
ehrt mich, doch mal im Ernst: Ich gehe davon aus, dass professionelle Sportler
heutzutage viel besser auf sich aufpassen als früher. Sagen wir mal vor
15 Jahren, also 1986, war für einen Spieler mit 33 Jahren die Karriere
praktisch vorbei. Heute werden wir Spieler alle viel besser medizinisch und
ernährungswissenschaftlich versorgt und betreut, so das etwa Igor Larionow
mit seinen bald 42 Jahren und Chris Chelios mit seinen bald 40 Jahren in der
NHL noch gut mithalten können. Dies waren jetzt nur zwei Beispiele aus
Detroit.
Wie sehen Sie ihre Chancen und die der Red Wings in diesem Jahr?
Zunächst habe ich mich im letzten Vorbereitungsspiel gegen die Blackhawks
an der Schulter verletzt. Das war auch der Grund, warum ich beim ersten Spiel
in San Jose (4:3 n.V.) und den folgenden nicht gespielt habe. Aber wie Sie gesehen
haben, trainiere ich schon wieder voll mit. Bald werde ich wieder dabei sein.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage kann ich nur sagen: Schauen Sie sich unsere Mannschaft
an. Unsere bereits gute Mannschaft des zurückliegenden Jahres wurde noch
durch erstklassige Spieler ergänzt: Dominik Hasek oder Brett Hull.
Jetzt wechseln wir mal auf den ,,Alten Kontinent". Was sagen Sie zu
der deutschen Nationalmannschaft?
Noch habe ich mich mit dem Thema ,,Deutsche Nationalmannschaft" nicht beschäftigt,
da es bei mir nicht klar war, ob ich das Trainingscamp schaffe. Ich wollte nicht
für groBe Schlagzeilen a la ,,Uwe Krupp ist zurück" sorgen und
dann schaffe ich das Camp nicht. Aber wenn alles gut verläuft, wäre
ich gerne wieder dabei. Die Olympischen Spiele sind natürlich sehr reizvoll
und dann auch noch hier bei uns in Amerika - also, mein Interesse wäre
schon riesig! Bei den vergangenen Spielen in Nagano (Japan) kamen wir, Olaf
Kölzig und ich, erst an, als das Team schon draußen war. Die Olympischen
Spiele von Anfang an mitzuerleben, dass wäre schon toll.
Kennen Sie eigentlich noch Spieler aus der Nationalmannschaft?
Klar, einige mit denen ich in Nagano gespielt habe, Mirko Lüdemann, Jörg
Mayr, Jürgen Rumrich, Peppi Heiß - aber der spielt ja nicht mehr. Es sind
halt sehr viele neue und junge Spieler da. Natürlich kenne ich noch die
anderen NHL-Spieler wie Marco Sturm, Olaf Kölzig, Sascha Goc aber auch
Jan Benda. Ja, den Trainer, Hans Zach, kenne ich natürlich auch.
Was sagen Sie zu der wachsenden deutschen Fraktion in der NHL?
Das ist schon eine tolle Sache. Als ich 1986 hierher kam, ging Uli Hiemer gerade
wieder zurück, und ich war der einzige Deutsche bis Marco Sturm kam. Also
war ich zehn Jahre lang so eine Art Einzelkämpfer. Aber es ist auch toll,
man sieht, dass das deutsche Hockey mehr Beachtung findet, mehr Scouts durch
deutsche Arenen wandeln und damit auch mehr Talente entdecken.
