Interview

Interview mit Jeremy Roenick (Philadelphia Flyers)

Ziel Stanley Cup und Olympia-Gold

(Wir danken ausdrücklich der Zeitschrift Zeitschrift "Eishockey live", die uns erlaubt, dieses Interview bei uns zu publizieren. Unser besonderer Dank gilt Patrick Bernecker. Dieses Interview stammt aus der Ausgabe - Eishockey live- 12/2001 Seite 62/63)

Gesenkten Hauptes und voll konzentriert saß er in der Kabine nach der Niederlage gegen die Detroit Red Wings. Das Spiel wurde in der letzten Minute entschieden. Sogar sein Tor im ersten Spielabschnitt verhalf der Mannschaft nicht zum Sieg. Jeremy Roenick deutete an, dass er solch eine Niederlage schon zweimal erlebte. Trotzdem ist er entschlossen, dass Philadelphia zu den Top-Anwärtern des Stanley Cups in dieser Saison zählt. Aus diesem Grund hat er auch bei den Flyers unterschrieben. Und aus diesem Grund haben die Flyers ihn auch im Sommer unter Vertrag genommen. Jeremy Roenick ist ein Leader - ob auf dem Eis oder nicht. Jeder um ihn herum sympathisiert mit ihm.

Jeremy RoenickHinter Trades stecken sehr viele Gründe. In Chicago haben Sie das Management der Blackhawks kritisiert. Was steckte also hinter dem Trade von Phoenix nach Philadelphia? Ich war nur ein "Free-Agent-Fall". Es stand mir frei hinzugehen, wo ich wollte. Also entschied ich mich, nach Philadelphia zu kommen und zu versuchen, einen Stanley Cup zu gewinnen.
Wenn Sie in ein anderes Team wechseln, verändern Sie dann auch ihren Stil, um sich besser an das neue Team anzupassen? Nein. Man muss nur für das System spielen, welches für einen ausgelegt ist. Man spielt aber trotzdem sein eigenes Spiel.
Haben Sie in Chicago auch Stan Mikita kennengelernt? Was ist er für ein Mensch? Stan ist ein großartiger Mensch. Er ist einer der aufrichtigsten Menschen der Welt und zudem ein ausgezeichneter Eishockeyspieler und super Golfspieler.
Sie haben sehr viel erreicht in der NHL. Der größte Erfolg fehlt aber noch. Wie realistisch ist der Erfolg nun mit den Flyers? Ich glaube, dass der Gedanke an den Stanley Cup-Sieg sehr realistisch ist. Es ist der Grund, warum ich nach Philadelphia kam. Wir haben ein gutes, junges Team mit einem starken Kern. Auf lange Sicht werden wir Erfolg haben.
Wie haben Sie ihren intensiven Angriffsstil entwickelt? Ich habe viel von Mark Messier abgeschaut, dem eher härteren Eishockeyspieler, der den Puck ins Netz bringen kann.
Es gibt ein Gerücht, dass das USA Olympia-Team nicht in Salt Lake City antreten will, wissen Sie etwas darüber? Nein. Ich glaube nicht, dass das passieren wird. Wir sind alle sehr aufgeregt, dass wir unser Land repräsentieren dürfen. Wenn es darauf ankommt, sind wir bereit.

Das ist Jeremy Roenick:
-Geboren am 17. Januar 1970 in Boston (USA)
-schießt rechts, Center
-wiegt 94 Kilo, ist 1,83 Meter groß
-gedraftet an 8. Stelle 1988 von den Chicago Blackhawks
-seine Stationen-. Thayer Academy (Highschool), Hull Olympiques (QMJHU, Chicago Blackhawks, Kölner Haie, Phoenix Coyotes, Philadelphia Flyers
-seine bislang beste Vorrunde-. 1992/93 für Chicago, als er in 84 Spielen 50 Tore und 57 Vorlagen scorte
-seine bislang besten Play-offs: 1991/92 für Chicago, als er in 18 Spielen zwölf Tore und zehn Vorlagen markierte
-Der US-Amerikaner wurde am 16. August 1996 von Chicago nach Phoenix transferiert. Die Blackhawks erhielten für ihn Alexej Zhamnow, Craig Mills und ein Draftrecht 1997 (Chicago wählte Ty Jones), Vor der laufenden Saison wurde er von den Philadelphia Flyers unter Vertrag genommen.

Aber Sie sagten doch, dass es nicht so schlimm wäre, nicht bei der Olympiade mitzuspielen. Nun, wir müssen große Dinge erreichen und wir müssen versuchen, den Stanley Cup zu gewinnen. Es ist also sehr wichtig, dass wir diesen Schritt richtig angehen. Die Olypmischen Spiele sind eine große Herausforderung und wir sollten stolz sein, dort mitspielen zu können. Dennoch sind sie nicht das Wichtigste.
Es ist bekannt, dass sie ein Bike-Liebhaber sind. Wie viele besitzen Sie, da in Phoenix das Klima sehr gut ist? Ich habe in Phoenix zwei und ich fahre sehr viel damit. Wenn am Spätnachmittag die Sonne untergeht, gibt es kaum schönere Orte, als in der Wüste Motorrad zu fahren.
Welche Musik mögen Sie am meisten? Ich mag moderne Musik. Techno - etwas, was einen so richtig in Fahrt bringt.
Sie spielten mal eine Zeit in Deutschland. Gibt es da einige Erinnerungen, die Sie hier mit uns teilen möchten? Ja, viele sogar. Ich hatte eine schöne Zeit in Köln und lernte viele gute Freunde kennen. Es war eine der größten Erlebnisse in meiner Karriere und ich hoffe sehr, dass ich irgendwann wieder dorthin kann.
Ihr Bruder Trevor ist einer der Sichtungen der Columbus Blue Jackets. Wie geht es ihm? Und wie helfen Sie ihm, sich zu verbessern? Er spielt gerade in Europa in der englischen Superleague. Ich glaube, er führt die Liga sogar als Topscorer an.
Wie haben Sie sich mit Mike Keenan verstanden, als Sie noch für die Chicago Blackhawks spielten? Ich habe mich sehr gut mit ihm verstanden, wie Vater und Sohn. Er hat mir gezeigt, wie ich zu einem NHL-Spieler werde, der, der ich heute bin.
Im Fernsehen haben Sie ein Handtuch ins Gesicht eines Reporters geschleudert. Was war da los? Man muss immer locker bleiben und Spaß haben. In diesem Sport haben wir eine Menge Spaß und es wird manchmal sehr ernst. Die Leute wollen nicht immer die gleichen Interviews hören. Ich vermag es, sowas immer etwas aufzulockern.
Was ist das beste Rezept für einen erfolgreichen NHL-Spieler und was würden Sie jungen Spielern mit auf den Weg geben? Man muss sehr hart arbeiten und den Willen haben, alles zu geben was man hat. Ohne diese Arbeitsmoral und diese Motivation wird man sehr schnell ausgemustert. Es geht nur mit harter Arbeit.
Wer wird ihrer Meinung nach die Olympischen Winter Spiele gewinnen? Die USA!

Das Interview führte Michael Kokavec, Detroit.
der per E-Mail unter mk812@hotmail.com zu erreichen ist (nur in Englisch)

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