Interview

Miroslav Satan, Stürmer der Buffalo Sabres, im Interview

Stars? "Wir sind alle gleich!"

(Wir danken ausdrücklich der Zeitschrift Zeitschrift "Eishockey live", die uns erlaubt, dieses Interview bei uns zu publizieren. Unser besonderer Dank gilt Patrick Bernecker. Dieses Interview stammt aus der Ausgabe - Eishockey live- 12/2001 Seite 62/63)

Miroslav SatanEinige Sabres-Fans trugen Miroslav Satans-Trikot beim Spiel der Buffalo Sabres bei den Detroit Red Wings. Egal, was der Name in englisch oder deutsch bedeutet, die Fans sind stolz auf ihre Trikots. Sie schätzen Miros Eigenschaften als Spieler und als Mensch. Er ist ein sehr smarter Star, der trotz allem auf dem Boden geblieben ist. Seit zwei Jahren ist er regelmäßig auf dem Titelblatt des Buffalo Sabres Media Guide zu sehen. Der Grund: Er ist nicht nur einer der besten Spieler der Sabres, sondern auch der gesamten NHL. Miro Satan ist ein eher unauffälligerStar, darüber hinaus auch ein echter Gentleman. Er ist einer der Spieler, der auf jeden Fall die Nominierung für die Lady Byng Trophy verdient hätte.

Miroslav, wie haben Sie die Ereignisse in New York und Washington erlebt? Wir hatten an dem Tag unser Trainingscamp. Wir hatten gerade unsere physischen Tests, daher waren wir den ganzen Morgen im Stadion. Als wir von den Ereignissen hörten, verfolgten wir die Nachrichten sofort und sahen die schrecklichen Bilder. Es nahm die Mannschaft sehr mit.
Haben Sie und die Mannschaft Hilfe für die Opfer geleistet? Die NHL Players Association (NHL-PA) hat sofort 500.000 Dollar im Namen aller Spieler zur Rettung der Opfer gespendet. In unserem Vorsaisonspiel im Madison Square Garden in New York am 7. Oktober 2001 trugen wir alle Sondertrikots mit der Aufschrift ,,New York" anstelle unseres Mannschaftswappens. Später wurden die unterschriebenen Trikots zu Wohltätigkeitszwecken im Internet versteigert. Dazu haben einige Spieler einen Teil ihres Gehaltes den Hinterbliebenen der Opfer gespendet.

Das ist Miroslav Satan:
- Geboren am 22. Oktober in Topocalny (SVK)
- gedraftet an 111.Stelle 1993 von Edmonton
- schießt links, gelernter Linksaußen
- wiegt 88,3 Kilo, ist 1,85 Meter groß
- seine Stationen: HC Topocalny, Dukla Trencin, Cape Breton Oilers (AHL), Detroit Vipers (IHL), San Diego Gulls (IHL), Edmonton Oilers, Buffalo Sabres
- in bisher 512 NHL-Spielen erzielte er 181 Tore und gab 168 Vorlagen
Miroslav Satan wurde am 18. März 1997 gegen Barrie Moore und Craig Millar zu den Sabres getradet

Zum Sport. Wie haben sie sich auf die Saison vorbereitet? Ich habe mir wie jedes Jahr nach der Saison einen Monat Pause gegönnt Danach habe ich leicht trainiert. Im August, also einen Monat bevor das Trainingscamp losgeht, bereite ich mich intensiv vor. Ich steigere meine Trainingseinheiten und deren Intensität, so dass ich das Camp in meiner besten Verfassung absolvieren kann. Dieses Jahr hatte ich großen Erfolg.
Wo haben Sie ihren diesjährigen Urlaub verbracht? Dieses Jahr verbrachte ich meinen Urlaub mit meiner Freundin in Frankreich und den Vereinigten Staaten.
Sie erwähnen ihre Freundin. Sie singt manchmal die Nationalhymne bei Heimspielen der Buffalo Sabres. Wie kam es dazu? Sie hat Musikwissenschaften studiert und kann gut singen. Als das Management davon erfuhr, wurde meine Freundin gefragt, ob sie singen möchte. Sie sang vor einem Spiel, die Fans mochten ihren Gesang und seitdem singt sie regelmäßig.
Mussten Sie wegen Ihrer Vertragsbedingungen auch eine Schlichtung eingehen? Ich hatte nur zwei Möglichkeiten. Ich wusste zwar, dass ich einen Zweijahresvertrag bekommen würde, dennoch gab es da auch ein gewisses Risiko. Wenn ich eine andere Möglichkeit in Betracht gezogen hätte, wäre ich vielleicht in die Slowakische Republik zurück gegangen und hätte mich dort zur Ruhe gesetzt. Eine Schlichtung hätte eventuell mehrere Wochen oder sogar einen Monat gedauert. Ich entschied mich für die erste Alternative, und ich glaube ich habe die richtige Entscheidung getroffen.
Dominik Hasek sagte aus, dass es bei seinem Ex-Klub Buffalo Sabres drei Stars gab. Mike Peca, Miroslav Satan, und Dominik Hasek. Fühlen Sie sich als Star? Es wird öfters über unseren Klub gesagt, wir seien eine Mannschaft ohne Stars. Wir sind alle gleich. Ich weiß nicht, was einen Spieler als "Star" klassifiziert. Für mich sind wir alle gleich. Manche Menschen sehen einen "Star" anders als andere. Ich versuche immer mein Bestes zu geben, so wie ich es die vergangenen vier Jahre getan habe um ein offensiver Spieler für mein Team zu sein.
Wie lautet Ihr NHL-Karriereziel? In der NHL habe ich persönlich nur ein Ziel. Ich glaube, dass jeder Spieler, der es schafft, in der NHL zu spielen, den Stanley Cup gewinnen will. Ich bin da nicht anders, ich würde mich sehr über einen Sieg freuen.
Sind Spiele gegen die Detroit Red Wings emotionale Spiele für Sie aufgrund der Situation mit Hasek? Es ist schon ein komisches Gefühl. Ich denke, unsere ganze Mannschaft ist gemischter Meinung, weil Dominik so lange in Buffalo war. Es ist ein seltsames Gefühl, ihn in rot und weiß am anderen Ende der Eisfläche zu sehen. Sogar unser Trainer will nicht so sehr über die Situation reden. Wir nehmen an, er möchte nicht, dass sich das negativ auf unsere Psyche ausübt.
Sie kennen Dominiks Schwachstellen. Wie bereiten Sie sich auf ein Spiel gegen ihn vor, sowohl körperlich als auch mental? Da gibt es keinen Unterschied. Ich bereite mich wie immer vor. Ich werde versuchen unser defensives Spiel zu spielen und auf Fehler der Gegner zu warten.
Sie gehören zu den offensiv gefährlichsten Spielern in der NHL. Wie haben Sie sich diesen Status erarbeitet? Als ich noch Juniorenspieler war, hat mein Trainer Josef Nemec dazu gedrängt, mein volles Potenzial zu trainieren, wann immer ich konnte. Wir haben das ganze Jahr über, sogar im heißen Sommer, Schießübungen gemacht. Dazu haben wir eine Linoleumplatte verwendet. Es gab Tage, an denen ich zwei bis dreihundert Schüsse abgegeben habe. Mit dem richtigen Training kann jeder seinen Schuss perfektionieren. Deshalb ist mein Schuss auch so kraftvoll wie heute.

Buffalos Trainer Lindy Ruft über Miro Satan
Bitte beschreiben Sie uns Miroslav Satan.
Miro ist ein Allroundspieler, von dem wir in uns innerhalb des Klubs eine Führungsrolle erwarten.
Er spielt in allen Situationen gut, ganz gleich, ob es sich dabei um das Powerplay oder kritische Situationen handelt. Er hat gute Hände.
Muss er sich in einer bestimmten Sache verbessern?
Miro hat sich in seiner defensiven Spielweise stark verbessert. Seine Stärke ist das Toreschießen. Wir wollen, dass alle Spieler ihre Stärken ausspielen und daher erwarten wir von ihm 30 Tore in dieser Saison.

Als Kapitän führten Sie die slowakische Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in St. Petersburg an und holten die Silbermedaille. Wie sehen Sie heute diese Erfahrung? Es ist einer der wertvollsten Momente in meiner Eishockeykarriere. Mit ziemlich gemischten Gefühlen ging ich nach St. Petersburg. Niemand gab uns eine faire Chance, und niemand glaubte an die Möglichkeit unseres Erfolges. Mit der Zeit konnte man dann beobachten, wie unsere Mannschaft immer mehr Zusammenhalt zeigte. Wir wurden ein starkes Team. Diese zwei Wochen waren eine unvergessliche Erfahrung für mich, und sie zeigten der Welt, dass wir erfolgreich sein konnten.
Waren Sie mit der Silbermedaille zufrieden? Jetzt, nach einiger Zeit, bin ich sehr zufrieden mit dieser Medaille, Aber damals im Endspiel, welches nicht für uns entschieden wurde, war ich traurig. Es war der einzige Tag in diesem Turnier, an dem ich enttäuscht war. Jetzt bin ich mit Silber zufrieden.
Die Olympischen Winterspiele nähern sich. Die Slowakei, Deutschland und alle anderen Mannschaften, die nicht zu den "starken" Teams gehören, müssen sich erst qualifizieren. Alle NHL-Spieler dieser Mannschaften werden wegen dem fortlaufenden Spielbetrieb nicht an den Qualifikationsrunden teilnehmen können. Auch Sie haben kürzlich von den Sabres eine Absage erteilt bekommen. Es ist schade, dass diejenigen, die für die Organisation solcher wichtigen Turniere verantwortlich sind, sich nicht ausreichend darüber Gedanken machen. Ich denke, dass die Slowakei davon am meisten betroffen ist. Es ist auch schade, dass niemand was dagegen tun kann. Der slowakische Eishockeyverband hat versucht, einige diplomatische Einwände einzubringen. Es sieht aber nicht gut aus. Die Organisatoren der NHL sind nicht für eine Änderung, die den Spielern zugute kommen würde. Die Verantwortlichen stecken ihre Köpfe in den Sand. Hut ab für jeden, der bereit ist, dafür zu sprechen, wenigstens gibt es dann etwas Fairness.
Welche Mannschaften werden sich ihrer Meinung nach qualifizieren? Natürlich glaube ich an die slowakische Mannschaft. Ich hoffe nur, die Mannschaft wird unverletzt und vollständig sein.
Wer war ihr Idol in der Kindheit? Ich hatte nie ein richtiges Idol, aber ich bewunderte Spieler wie Wayne Cretzky, Mario Lemieux und Peter Stastny.
Wie sieht ihre persönliche Traumaufstellung aus? Das wären im Tor Hasek, und in der Verteidigung Lidström und Fetisow, im Angriff würden Forsberg, Sakic und Lemieux spielen.

Das Interview führte Michael Kokavec, Detroit.
der per E-Mail unter mk812@hotmail.com zu erreichen ist (nur in Englisch)

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