Wachablösung

 

Januar 2004 - Talentierte Spieler gibt es viele in der NHL. Aber nur wenige können der Liga auch als Aushängeschild dienen. Im Sommer 2004 werden sehrwahrscheinlich einige ganz große Namen vom Eis verschwinden. Mark Messier, Mario Lemieux, Ron Francis, Steve Yzerman und Brett Hull sind lebende Legenden, Vorzeigeathleten. Sie haben nicht nur viele Jahre lang auf höchstem Niveau gespielt, sondern auch die NHL auf und neben dem Eis repräsentiert. Sie leisteten Öffentlichkeitsarbeit und sind auch jetzt noch die Aushängeschilder der Liga. Natürlich gibt es noch weitere Spieler die man in dieser Gruppe sehen muss. Joe Sakic, Mike Modano, Mats Sundin, Martin Brodeur, Teemu Selänne, Peter Forsberg oder Paul Kariya zum Beispiel. Und ganz sicher werden diese Spieler noch einige Jahre länger in der NHL spielen, da sie doch das eine oder andere Jahr jünger sind. Und sie alle haben etwas gemeinsam: Verantwortungsbewusstsein. Von keinem dieser Spieler hat man je negative Schlagzeilen gelesen, etwas anrüchiges aus ihrem Privatleben gehört oder eine unüberlegte Aussage vernommen. Sie alle sind auf dem Eis wie in der Öffentlichkeit konstant und korrekt, eben "Saubermänner". Es gibt zwar noch mehr Spieler, die über viele Jahre zu den Besten der Liga zählten, so wie zum Beispiel Jaromir Jagr, Eric Lindros, Dominik Hasek, Pavel Bure, Sergei Fedorov oder Theo Fleury, aber sie alle sind in die Jahre gekommen und zudem entweder schon durch negative Schlagzeilen aufgefallen oder gelten als schwierige Charaktere und deshalb als Aushängeschild für die NHL ungeeignet. Jagr ist ein Spieler und hatte Probleme wegen nicht geleisteter Steuerzahlungen, Lindros, Jagr, Bure und Fedorov haben immer wieder Probleme mit ihrer Einstellung, Fleury ist Alkoholiker und Hasek hat(te) ein Verfahren wegen Körperverletzung am Hals. Und das sind keine guten Schlagzeilen für einen Vorzeigespieler. Zudem haben Europäer durch ihre Herkunft und einige auch durch sprachliche Schwierigkeiten, große Nachteile. Wer aber wird in Zukunft die Rolle dieser Vorzeigespieler übernehmen, wenn diese ihre Karriere beenden? Es gibt einige Spieler die eine solche Rolle zuzutrauen wäre. Mit Sakic, Modano, Sundin, Selänne, Brodeur, Forsberg und Kariya stehen noch einige "Saubermänner" auf dem Eis. Doch auch die werden nicht ewig spielen. Bis auf Kariya haben sie alle bereits das 30. Lebensjahr vollendet, bzw schon deutlich überschritten. Forsberg wollte sogar bereits im vergangen Sommer nach Schweden zurückkehren. Und sie alle haben ihren Leistungshöhepunkt bereits erreicht. Steigerungspotential gibt es also nicht mehr. Wer aber sind die Topspieler der Zukunft und wer wird die Liga repräsentieren?

thorntonJoe Thornton (24, C) von den Boston Bruins ist sicher der erste Kandidat den man nennen muss. Er hat alles was ein Topspieler braucht. Er ist sehr talentiert, spielt sehr konstant, ist eine Führungspersönlichkeit und übernimmt Verantwortung. Er ist einer der besten Spielmacher der Liga und steigerte sich bisher in jedem Jahr. Thornton wurde 1997 als Nummer 1 gezogen und hat die Erwartungen bisher voll erfüllt. Er weiß sich bei aller spielerischer Klasse auch körperlich durchzusetzen. Thornton hat das Potential zum Topscorer der NHL. Nur einen kleinen Fleck hat er auf seiner weißen Weste. Vor einigen Monaten wurde er kurzzeitig verhaftet, weil er in einer Kneipenschlägerei verwickelt war und sich der Verhaftung durch die Polizei widersetzt hatte. Nach wenigen Stunden wurde er aber wieder auf freien Fuß gesetzt, muss sich aber vor Gericht wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt verantworten.

Dany Heatley (22, R) von den Atlanta Thrashers ist sicher der zweite Spieler den man nennen muss. Auch wenn er gerade seinem Image mit dem Autounfall, bei dem ein Mannschaftskamerad starb, sehr geschadet hat, so ist er doch eines der größten Talente der NHL. Er wurde 2000 als Nummer 2 gezogen. Auch er erfüllte die Erwartungen vollkommen. Seine Qualitäten als Spielmacher und Torschütze sind unübersehbar. Auch körperlich kann er sich in der Liga durchsetzen. Beim letzten All Star Game brach er sogar er den Torerekord von Wayne Gretzky. Heatley hat das Potential zum Topscorer der NHL. Die Frage, ob er nach dem tragischen Unfall aber wieder ganz der alte Heatley sein wird, kann man jetzt noch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ilya Kovalchuk (20, R) von den Atlanta Thrashers ist wohl der beste Europäer unter den jungen Spielern. Er ist einer der talentiertesten und besten Spieler der Liga. Mit seinen 106 Kg Körpergewicht weiß er sich gut durchzusetzen. Er wurde 2001 als Nummer 1 gezogen und konnte, wie Heatley, bisher auf der ganzen Linie überzeugen. Nach dem Ausfall von Heatley übernahm er dessen Rolle als Führungsspieler und beweißt aktuell gerade, dass er nicht nur das Potential zum Topscorer der NHL hat, sondern auch das Zeug zum Kapitän.

Marian Gaborik (2, L/R) von den Minnesota Wild wurde 2000 als Nummer 3 gezogen. Es ist sehr talentiert und wird wohl die nächsten Jahre weiterhin der Topscorer seiner Mannschaft sein. Seine Stärken liegen im Spiel eins gegen eins. Er muss sich allerdings physisch steigern und teamorientierter spielen.

Milan Hejduk (27, R) von der Colorado Avalanche kann man nicht mehr unbedingt zu den jungen Spielern zählen, aber er hat bereits die Nachfolge solcher Spieler wie Pavel Bure oder Teemu Selänne übernommen. Er wurde als Nummer 87 gezogen. Er ist ein Vollstrecker aber etwas abhängig von einem guten Spielmacher. Hat er einen Forsberg oder Sakic an seiner Seite kann er in einer kompletten Saison immer locker 30 Tore machen. Dass er auch mehr Tore schießen kann hat er in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Auch die 50 Tore Marke kann er knacken. Er hat das Zeug zum besten Torjäger der Liga. Körperlich ist er etwas benachteiligt durch seine geringe Größe und Körpermasse. Mit Härte kann man ihn aus dem Spiel nehmen.

Ed Jovanovski (27, V) von den Vancouver Canucks ist ebenfalls in die Riege der Topspieler vorgestoßen. 1994 wurde er als Nummer 1 gezogen. Er hat alles was ein Verteidiger braucht. Größe, Stärke, Masse, Härte, Übersicht und auch Offensivqualitäten. Lange spielte er zu riskant, ging zu oft mit in die Offensive und vernachlässigte die Defensivarbeit. Aber seine Bilanz von +19 in der vergangenen Saison und auch seine aktuelle Bilanz bestätigen, dass er seine Schwächen mittlerweile erkannt hat und daran hart gearbeitet hat. Inzwischen hat er das Potential zum Norris Trophy Gewinner.

Henrik Zetterberg (20, L/C) von den Detroit Red Wings hat in seiner Rookie Saison bereits gezeigt, dass er viel Talent hat und ein ganz Großer werden kann in der NHL. Er wurde 1999 nur als Nummer 210 gezogen, zeigte aber in seinem ersten Jahr bereits, dass er durchaus weit früher hätte gezogen werden können. Er ist ein sehr guter Spielmacher und bereit Verantwortung zu übernehmen. In wenigen Jahren wird er ein Top Line Spieler sein. Physisch muss er aber noch zulegen.

Jarome Iginla (26, R) von den Calgary Flames hat bereits gezeigt, dass er das Potential zum Topscorer hat. Nur fehlt es ihm an Konstanz. Er wurde 1995 als Nummer 11 gezogen. Er steigerte sich von Saison zu Saison und zeigte 2002 sein volltes Potential. Danach hatte er allerdings einen Einbruch. Vielleicht braucht er auch einfach nur einen Wechsel. In einem anderen Team könnte er sicher weit mehr leisten. Physisch ist er sehr gut entwickelt. Neben einem Top Center wie Forsberg oder Thornton würde er die Liga sicher aufmischen.

Marian Hossa (24, R) von den Ottawa Senators ist einer der besten Stürmer der Liga. Er wurde 1997 als Nummer 12 gezogen. Er ist besonders stark in eins zu eins Situationen. Körperlich gut entwickelt und technisch sehr stark, spielt er mit viel Zug zum Tor und ist immer torgefährlich. Wenn er seinen Körper mehr einsetzt, kann er noch effektiver sein. Er wird auf jeden Fall noch viele Jahre als Top Line Stürmer in der NHL spielen.

Vincent Lecavalier (23, C) von den Tampa Bay Lightning ist ein sehr starker Spielmacher und immer gut für 30 Tore. 1998 als Nummer gezogen, blieb er doch oft hinter den hohen Erwartungen zurück. Seine Einstellung ist seine größte Schwäche. In einem stärkeren Team könnte er vielleicht weit mehr erreichen. Das Potential ein ganz Großer zu werden hat er jedenfalls. Er ist sehr talentiert, setzt seinen Körper gut ein, nutzt seine Größe und Reichweite und ist sehr kreativ. Als Führungsspieler muss er aber noch reifen.

turcoMarty Turco (28, T) von den Dallas Stars hat erst spät den Sprung in die NHL geschafft. Er hat aber gerade eine sehr starke Saison hinter sich. 1994 als Nummer 124 gezogen, machte er als Backup für Ed Belfour bereits in jeder Saison mehr als 25 Spiele. Und das mit äußerst guten Ergebnissen. Aufgrund seines Alters wird er wohl kaum neue Rekorde in Siegen oder Spielen aufstellen, aber als Nummer 1 Goalie wird er sich etablieren. Er muss jetzt nur noch in den Play Offs beweisen, dass er nicht nur sehr talentiert ist, sondern auch die nötigen Nerven hat.

Todd Bertuzzi (28, L/R) von den Vancouver Canucks ist ein Spätentwickler. Er brauchte lange um sein Potential zu entfalten. Einige Jahre war er eher ein Checking Forward, heute ist er der beste Power Forward der Liga. Als Nummer 23 wurde er 1993 gezogen. Physisch ist er sehr stark und nutzt diese Stärke auch seht gut. Vor dem Tor ist er kaum zu stoppen. Bertuzzi ist ein Stürmer für die Top Reihe. Allerdings hat er wohl seinen Leistungshöhepunkt bereits erreicht. Hin und wieder ist er etwas arbeitsfaul.

Derek Morris (25, V) von der Colordo Avalanche wurde 1996 als Nummer 13 gezogen. Er ist sehr talentiert und soll in einigen Jahren die Rolle von Rob Blake übernehmen. Er ist sehr wichtig im Powerplay, wo er als Quarteback eingesetzt wird. Er ist im Angriffsdrittel wie auch im Verteidigungsdrittel sehr stark. An seiner Zügellosigkeit und seiner Konzentrationsschwäche im eigenen Drittel muss er aber noch arbeiten.
Brad Richards (23, C) von den Tampa Bay Lightning spielt mit viel Zug zum Tor und nutzt jede Gelegenheit zum Schuss. Gleich im ersten Jahr war er der Topscorer der Lightning, im zweiten Jahr wiederholte er diese Leistung. Und damit stach er Mannschaftskollege Lecavalier klar aus. Wenn es aber härter zur Sache geht, taucht er ab. Physisch muss er deshalb zulegen.

Sergei Samsonov (25, L) von den Boston Bruins erinnert von seinen Anlagen her an Pavel Bure. Er ist sehr stark bei Eins gegen Eins, aber auch sehr kreativ und kaum vom Puck zu trennen. Er wurde 1997 als Nummer 8 gezogen, hatte aber zuletzt großes Verletzungspech. Seine geringe Größe und Körpermasse sind sein Nachteil.

Tomas Kaberle (25, V) von den Toronto Maple Leafs wird in einigen Jahren einer der besten Verteidiger der Liga sein. Er ist sehr talentiert, technisch wie läuferisch stark, geht gerne in die Offensive, weiß aber auch was seine eigentlichen Aufgaben als Verteidiger sind. 1996 wurde er erst als Nummer 204 gezogen. Dass die Leafs damit ein Schnäppchen machten ist jetzt klar. Körperlich muss er aber noch zulegen, um auch Power Forwards wie Bertuzzi oder Lindros effektiv stoppen zu können.

Brad Stuart (24, V) von den San Jose Sharks hat alles was ein Top Verteidiger braucht. Er ist groß und stark, ein glänzender Schlittschuhläufer, gute Übersicht und Offensivqualitäten. 1998 wurde er als Nummer 3 gezogen. Er hat das Potential einer der besten Verteidiger der Liga zu werden. Unter Druck macht er aber noch zu viele Fehler.

Jean Sebastien Giguere (26, T) von den Anaheim Mighty Ducks hatte ein starkes Jahr und vor allem beeindruckende Play Offs. Er wurde 1995 als Nummer 13 gezogen. Er ist sehr beweglich und schnell. Er spielt einen nahezu perfekten Butterfly Stil. Wenn er allerdings aus der Position gerät verliert er häufig die Übersicht. Auch seine Stocktechnik ist nicht sehr gut. Sein Potential ist aber unbestreitbar.

Simon Gagne (23, L) von den Philadelphia Flyers wurde 1998 als Nummer 22 gezogen. Er hatte ein starkes Rookie Jahr und bestätigte seine guten Leistungen im Jahr darauf. Zwar ließ seine Produktivität danach etwas nach, aber er ist auch defensiv sehr stark, was ihn um so wertvoller macht. Er hat das Potential zu einem absoluten Top Two Way Stürmer zu werden. Körperlich muss er aber etwas zulegen.

Alex Tanguay (24, L) von der Colorado Avalanche wurde 1998 als Nummer 12 gezogen und ist offensiv wie defensiv schon sehr gut entwickelt. Mit seiner Schnelligkeit und seinem guten Schuss ist er stets torgefährlich, ist aber eigentlich mehr Vorbereiter als Vollstrecker. Er hatte zwar schon kleine Einbrüche im Spiel nach vorne, aber aufgrund seiner guten Defensivarbeit ist auch dann noch wertvoll. Sein Potential reicht sicher um sich als Top Line Stürmer zu etablieren. Körperlich muss er aber zulegen, um sich gegen die starken Verteidiger vor dem Tor besser durchsetzen zu können.

Roberto Luongo (24, T) von den Florida Panthers ist eines der größten Talente auf der Torhüterposition. Trotz seines jungen Alters bleibt er auch unter Druck immer sehr konzentriert. 1997 wurde er als Nummer 4 gezogen. Er wird sicher in einigen Jahren einer der Top Goalies in der Liga sein. An seiner Kommunikation mit seinen Verteidigern muss er allerdings noch arbeiten.

Rick DiPietro (22, T) ist vielleicht der talentierteste Torhüter der neuen Generation. Er wurde 2000 als Nummer 1 gezogen. Seine Puckkontrolle und seine Schuss - und Passpräzision machen ihn quasi zu einem siebtem Verteidiger. Er ist sehr schnell und agiert auch unter Druck sehr gut. Es fehlt ihm nur an Erfahrung. Auch seine geringe Größe erweist sich manchmal als Nachteil. Er hat das Potential mal der beste Torhüter der Liga zu werden.

Colin White (25, V) von den New Jersey Devils wird schon bald in die Fußstapfen von Derian Hatcher und Adam Foote treten. Er wurde 1996 als Nummer 49 gezogen. Er ist schon jetzt sehr stark im eigenen Drittel. mit seiner Größe und seinem Körpergewicht kann er auch die stärksten Power Forwards stoppen. Er spielt sehr hart und bewieß auch schon gute Führungsqualitäten. Noch trifft er manchmal die falschen Entscheidungen. Aber das wird sich im Laufe der nächsten Zeit sicher ändern.

Sicher gibt es noch mehr große Talente unter den jungen Spielern und sicher den einen oder anderen, mit dem man jetzt noch gar nicht rechnet. Und es werden vielleicht auch einige der hier aufgelisteten Spieler enttäuschen und in ihren Leistungen abfallen. Aber mit Sicherheit sind sie es alle wert, dass man sie im Auge behält. Und einige von ihnen haben bereits eine führende Rolle in der NHL übernommen. Und auch unter den aktuellen Rookies gibt es den einen oder anderen, der in 5 bis 10 Jahren zu den absoluten Spitzenspielern gehört, wie etwa Marc-Andre Fleury, Eric Staal oder Nathan Horton. Aber um darüber eine Prognose abzugeben ist es noch zu früh. Doch schon in ein oder zwei Jahren weiß man mehr. Fest steht, dass es viele große Talente gibt und die NHL reichlich Potential hat. Ob aber einer der großen Talente auch als Aushängeschild die NHL in der Öffentlichkeit repräsentieren kann, wird sich erst noch rausstellen müssen. Denn dazu gehört noch etwas mehr als nur viel Talent. Wenn auch nur drei der aufgezählten Spieler diesen Status erreichen ist die NHL gut bedient.

 

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